Von allem zu viel
Irgendwo in der amerikanischen Spießbürgerhölle: Claire, Lehrerin, Ehefrau, Mutter und mitten in der Midlife-Crisis, hört immer öfter ein quälendes, tiefes Summen: «The Hum», ein reales Phänomen, Anlass für zahllose (Verschwörungs-)Theorien – nun Ausgangspunkt für die Uraufführung von «The Listeners», die das Osloer Opernhaus zusammen mit den Kompanien in Chicago und Philadelphia in Auftrag gegeben hat.
Die weitere Geschichte ist schnell erzählt: Im Internet-Zeitalter finden die «Hum»-Leidenden schnell zusammen, die Community stellt sich als Sekte heraus («The Listeners»), und das Geschehen ufert in alle Richtungen aus. Die New Yorker Komponistin Missy Mazzoli und ihr Librettist Royce Vavrek wollten ein vieldeutiges Gewebe schaffen – das Ergebnis erinnert dann aber doch eher an die Werbung einer amerikanischen Eismarke, deren Geheimrezept darin besteht, «von allem zu viel» zu bieten. Eigentlich wäre allein Claires Leiden mit allen psychischen wie gesellschaftlichen Konsequenzen ein interessantes Thema. Obendrauf gepackt wird nun aber die Gruppenpsychologie der Sekte, Machtmissbrauch auf mehreren Ebenen, die klassische Heldinnen-Geschichte (hier politisch korrekt in der Version ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Stephan Knies
Johann Sigismund Kusser war wie viele Musiker seiner Zeit ein Kosmopolit wider Willen, ruhelos hin- und hergetrieben zwischen den konkurrierenden Fürstenhöfen, kurzum: ein «weitgereister Musiker», wie die australische Musikologin Samantha Owens ihre 2017 erschienene Monografie betitelte. Mit vierzehn kam der im damals ungarischen Preßburg geborene Sohn eines...
Das Lob stammt aus höchst berufenem Munde: «Ich hatte viele wunderbare Kollegen, die mich faszinierten. Da waren die mit den großartigen Stimmen, oder die feinen Musiker, oder die wunderbaren Schauspieler, oder die großen Persönlichkeiten. Aber George London – er hatte Alles.» Damit meinte die große Birgit Nilsson nicht nur Londons mächtige, bassig grundierte, in...
Francesco Sacrati? War da nicht etwas? Der frühbarocke Opernkomponist galt neben seinem Kollegen Benedetto Ferrari lange als heißer Kandidat für den Einschub des Duetts «Pur ti miro», mit dem sich am Ende von Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» das amoralische Paar Poppea/Nerone in den siebten Liebeshimmel hineinsingt. Die Quellen sprechen für Ferrari. Hörer...
