Von Träumen und Alpträumen

Luxemburg | Hosokawa: The Raven

Opernwelt - Logo

Edgar Allan Poes bekanntestes Schauergedicht «The Raven» hat immer wieder Künstler zur Auseinandersetzung herausgefordert. Dichter wie Harry Mulisch, Filmregisseure wie Roger Corman oder Popmusiker wie Alan Parsons bedienten sich bei Poes merkwürdiger Geschichte eines Menschen, der seinen Partner verloren hat und in einer mysteriösen nächtlichen (Alp-)Traumbegegnung einen unheimlichen Raben trifft.

 

Dass ausgerechnet der Japaner Toshio Hosokawa  den okkulten Text des amerikanischen Krimi-, SciFi- und Horror-Pioniers als Vorlage für eine einstündige Oper aussucht, überrascht zumindest auf den ersten Blick. Doch der Komponist verweist auf eine Seelenverwandschaft des Stoffs zum japanischen Nõ-Theater mit seiner Abstraktion und seinem strengen Masken-Symbolismus.

Im März war das Monodrama in Brüssel als konzertante Version uraufgeführt worden. Parallel wurde im Grand Théâtre Luxemburg eine szenische Fassung ausgearbeitet. Ein logischer Schritt, verspricht doch das Traumerlebnis hinreichend visuelle Effekte für eine Umsetzung auf der Opernbühne.  

In einem wesentlichen Punkt hat Hosokawa die Poe-Vorlage variiert: Der Ich-Erzähler ist bei ihm eine Frau, mit packender Präsenz deklamiert, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2012
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Dieter Lintz

Weitere Beiträge
Editorial August 2012

Alles läuft gleichzeitig. Drinnen fantasiert Wolfgang Rihm mit Nietzsche über Nietzsche; draußen animiert ein Shaolin-Mönch zum Tai Chi. Wenn das Publikum der Berliner «Dionysos»-Premiere aus dem Schiller Theater in die sommerschwüle Pause strömt, sind die Exerzitien auf dem Vorplatz bereits in vollem Gang. Jeder kann mitmachen. In der Schiller Werkstatt lassen...

Große Dirigenten im heiteren Genre

Bevor er sich Ende der 60er-Jahre ganz von der Oper abwandte, war Carlo Maria Giulini nicht nur ein Experte in Sachen Mozart und Verdi, sondern unzweifelhaft auch der beste Rossini-Dirigent seiner Zeit. Dennoch hat er dessen Hauptwerk, «Il barbiere di Siviglia» nie im Studio aufgenommen. Es existieren allerdings Mitschnitte einer italienischen Fernsehproduktion von...

Apropos ... Wagner-Jahr: Michelle Breedt

Frau Breedt, in Bayreuth debütieren Sie in einem kontrovers diskutierten «Tannhäuser». Hat der Regisseur Sie überzeugt?
Ich fühle mich, da ich in einer bestehenden Inszenierung debütiere, wie in einem «Tannhäuser»-Schnellkochtopf. Regisseur Sebastian Baumgarten hat auf jede Frage eine nachvollziehbare Antwort. Seine Arbeit zu bewerten, ist nicht meine Aufgabe. Ich...