Es war einmal
Gab's das je, dass ein Opernintendant Pfitzners «Palestrina», Wagners «Meistersinger» und Paul Hindemiths «Mathis der Maler» in ein und derselben Spielzeit stemmte, drei gewaltige Künstlerdramen des deutschen Repertoires? Alexander Pereira tat's in seiner letzten Zürcher Saison. Mit Daniele Gatti, von vornherein begrenzte drei Jahre am Hause, sagte auch der Chefdirigent mit Hindemiths opus maximum Adieu.
Weder entsprach Gattis Beitrag dem interpretatorischen Drang zur blitzblanken Auflichtung von Hindemiths Polyphonie, noch versank er, obwohl öfter Gefahr im Verzug war, im aufrauschenden orchestralen Dickicht. Weder arbeitete er sich an der Verdeutlichung des barocken, ja, des Renaissance-Erbguts, der blechgepanzerten Cantus-firmus-Choräle, der ins überreiche Kontrapunktwesen eingelassenen Volksmelodik ab, noch übertourte er die Aufwallungen der Partitur. Dennoch nährte er den Verdacht, Hindemith packe dort mehr, wo er nicht vorrangig seiner formalen Kunstfertigkeit, sondern seinem dramatischen Impetus freien Lauf lässt.
Die Sänger hatten ihre nachhaltigsten Momente, wenn sie von der in der Partitur empfohlenen Freiheit Gebrauch machten und sich in ein faszinierendes Espressivo ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Heinz W. Koch
Vor dem Eingang zur Pariser Opéra Comique stehen sie seit 1898 Seite an Seite, in Stein gemeißelt, überlebensgroß: Carmen und Manon, jene beiden Frauen, die nach den Worten des legendären Impresarios Albert Carré «die zwei Meisterwerke dieses Hauses und der französischen Musik» repräsentieren.
Ist es Manons Schuld, wenn heute Carmen die Spielpläne dominiert? George...
Steckt hinter Ihrer Idee, im Musiktheater viele Elemente und Kunstdisziplinen zu verschmelzen, die Vorstellung einer möglichst umfassenden Abbildung von Welt?
Nein, die Welt bringt ja jeder Zuschauer selbst mit, der mit seiner Erfahrung und seinem «Weltwissen» dem Bühnengeschehen zusieht. Mich interessiert nicht der Anspruch einer umfassenden Abbildung, spannend...
Jean Cox erschien auf der Bühne immer jünger, als er war. Als er 1984 in einer «Meistersinger»-Aufführung der Bayreuther Festspiele als Stolzing einsprang, wirkte er frischer und agiler als der um zwei Jahrzehnte jüngere, eigentlich vorgesehene Kollege. Niemand wäre damals auf die Idee gekommen, dass dieser Tenor bald das Rentenalter erreichen würde. Die Stimme...
