Vom Himmel hoch

Deutsche Oper Berlin: Kirsten Harms scheitert im eigenen Haus an Wagners «Tannhäuser»

Opernwelt - Logo

Gleich vorweg: Dies ist eine Aufführungskritik. Sie beschäftigt sich mit der jüngsten Premiere der Deutschen Oper Berlin und nicht mit der Frage nach einer Vertragsverlängerung von ­Kirsten Harms oder der hauptstädtischen Opernsituation. Beides miteinander zu verknüpfen, ist so leicht wie unsinnig. Wir wünschen also vorweg der Deutschen Oper eine ­sichere und erfolgreiche Zukunft, die besser ausfällt, als das, was (auch unter Frau Harms) in den letzten Jahren passiert ist. Dafür kann die Intendantin nur zum Teil etwas. Pech hatte sie gewiss.

Aber auch Glück (die wievielte Wahl war Schlingensief bei Braunfels’ «Leben der heiligen Johanna»?). Sie hatte viel Vertrauen in die falschen Leute, keine gute Nase für spannungsvoll-kreative Konstellationen zwischen Künstlern und wohl auch ein Deutungstheater im Kopf, das von gestern ist. Die Balance zwischen Superstars, teurem Mittelmaß (der Gäste) und Ensemble stimmte nicht wirklich. Dennoch ist ein treues Publikum da, das die Deutsche Oper liebt; es gibt genügend Förderer und Fans (inzwischen auch von Frau Harms) und eine gro­ße Tradition. Vor allem: Das Potenzial innerhalb des Hauses ist enorm. Es lässt sich besser nutzen, vielleicht sogar ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kinderweihnachtsmärchen

Der chinesisch-amerikanische Komponist Tan Dun ist ein seltsamer Fall. Seine Vorbilder, sagte er einmal, seien Toru Takemitsu und John Cage, Hans Werner Henze und Dmitri Schostakowitsch. Gegensätzlicher könnten geistige Väter kaum sein. Der Personalstil des postmodernen «Mischlings» ist also vor allem daran zu erkennen, dass er keinen hat. Tans Werke sind offen für...

Danse macabre

Verdis Musik leuchtet in die Raumfinsternis hinein, in ein Menschendrama in nachtschwarzem Bühnenkasten. Und Carl St. Clair unterstreicht gleich im Vorspiel zu «La traviata», seiner ersten Berliner Premiere, fast feierlich das lyrische Gebet der hohen Streicher, den Ausdruck trauernder Inständigkeit, der unmittelbar auf die verletzte Seele und am Ende auf den Tod...

Après-Ski versus Abrissbirne

Waltraud Lehner ist in ihrer Stuttgarter Neuinszenierung mit Tschaikowskys «Eugen Onegin» Ski gefahren, und das ging weder für das Stück noch für die Aufführung gut aus. Lehner, die für den ursprünglich als Regisseur vorgesehenen Peter Konwitschny einsprang, liest Tschaikowskys musikalische Auseinandersetzung mit Alexander Puschkins Versroman vom blasierten Dandy...