Versprechen, eingelöst
Cecilia Bartolis «Maria»-Album war, neben vielem anderen, ein Versprechen – ein Ausblick auf eine anstehende Neuerkundung des romantischen Belcanto-Repertoires, gestützt auf sorgfältig revidierte Notentexte, gespielt von einem Orchester mit historischen Instrumenten in einer gegenüber dem heutigen Standard deutlich tieferen Stimmung. Die Gesamtaufnahme von Bellinis «La sonnambula» ist die erste Einlösung dieses Versprechens, und sie ist, das sei vorweggenommen, trotz mancher Abstriche auf eine Weise gelungen, dass man auf eine Fortsetzung des Projekts gespannt sein darf.
Im Vergleich zu ihrer Einspielung der Schlussszene aus «La sonnambula», die im Rahmen der großen Malibran-Hommage unter ähnlichen Bedingungen und mit demselben Orchester aufgenommen wurde, zeigt Bartolis Zugang zur Partie der Amina in der Gesamtaufnahme eine bemerkenswert andere sängerisch-interpretatorische Grundkonzeption, die sich fast wie eine Revision der zwischen Ausdrucksextremen pendelnden Exaltationen der älteren Aufnahme ausnimmt. Das Cantabile bleibt durchgehend in einer höchst spannungsvoll gesungenen mezza voce und gerät zu einem mit großer Kunst geformten Klangbild des trancehaften Zustands, in dem ...
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