Die Zeit ist aus den Fugen

Frankfurt, Verdi: I masnadieri

Opernwelt - Logo

Verdis selten gespielte Oper «I masnadieri» nach Schillers aufrührerischem Jugenddrama «Die Räuber» entstand gleichzeitig mit «Macbeth». Allein schon die Nachbarschaft zum finstersten Melodramma der italienischen Opernromantik müsste aufhorchen lassen. Das Libretto des mit Verdi befreundeten Schiller-Übersetzers Andrea Maffei, der auch beim «Macbeth» die Hand im Spiel hatte, ist kein kantiger Dramenverschnitt.

Anders als Cammarano im Falle der «Luisa Miller» ist es dem Außenseiter Maffei gelungen, die so wort- wie szenenreiche Vorlage des «dramma terribile» «auf geringe Dimensionen zu reduzieren, ohne die Originalgestalt zu verändern» (wie es im Vorwort zum Librettodruck heißt). Auch sprachlich halten sich Maffeis originelle Verse eng an Schillers Text, was Verdi zu neuartigen musikalischen Formen ermunterte. Das gilt, um nur ein Beispiel zu nennen, für den oftmals rauen, ja bewusst holprigen Ton der Räuberchöre.
An diese Ästhetik des Hässlichen des «compositore rozzo», des bewusst ungehobelten frühen Verdi, knüpft der junge Regisseur Benedikt von Peter in seiner großartigen Frankfurter Inszenierung an. Annette Kurz hat ihm einen riesigen, nach hinten ansteigenden Bretterboden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Verwandlung der Welt durch Liebe

Im Westen kennt man Nikolai Rimsky-Korsakow als fantasievollen musikalischen Märchenerzähler durch seine sinfonische Suite «Scheherazade». Man rühmt ihn als glänzenden Koloristen in viel gespielten Orchesterwerken wie dem «Capriccio espagnol» oder der Ouvertüre «Russische Ostern». Und man kennt den in zahllosen Transskriptionen verbreiteten «Hummelflug». Die...

Tausendjähriges Reich

Glücklich das Land, das keine Helden braucht, schrieb Bertolt Brecht. Hinsichtlich von Svätopluk dem Ersten aus dem Geschlecht der Mojmiriden (gestorben 894) ist der Slowakei in dieser Hinsicht kein Vorwurf zu machen, denn «Held» war er keiner. Vielmehr ein Realpolitiker höchsten Grades, rücksichtslos in der Durchsetzung seiner Ziele. Unter ihm wurde Großmähren zum...

Auf dem Marktplatz

Eigentlich ist der Jazz sein Metier. Eigentlich. Denn auch wenn Gianluigi Trovesis wich­tigs­te Aktionsfelder die Big Band (Italian Instabile Orchestra), das (eigene) Oktett/Nonett oder das Duo mit dem Akkordeonisten Gianni Coscia sind, und auch wenn aus jedem Ton, den der inzwischen 64-Jährige auf Klarinetten und Saxofon hervorbringt, der Schalk eines munter...