Die Zeit ist aus den Fugen
Verdis selten gespielte Oper «I masnadieri» nach Schillers aufrührerischem Jugenddrama «Die Räuber» entstand gleichzeitig mit «Macbeth». Allein schon die Nachbarschaft zum finstersten Melodramma der italienischen Opernromantik müsste aufhorchen lassen. Das Libretto des mit Verdi befreundeten Schiller-Übersetzers Andrea Maffei, der auch beim «Macbeth» die Hand im Spiel hatte, ist kein kantiger Dramenverschnitt.
Anders als Cammarano im Falle der «Luisa Miller» ist es dem Außenseiter Maffei gelungen, die so wort- wie szenenreiche Vorlage des «dramma terribile» «auf geringe Dimensionen zu reduzieren, ohne die Originalgestalt zu verändern» (wie es im Vorwort zum Librettodruck heißt). Auch sprachlich halten sich Maffeis originelle Verse eng an Schillers Text, was Verdi zu neuartigen musikalischen Formen ermunterte. Das gilt, um nur ein Beispiel zu nennen, für den oftmals rauen, ja bewusst holprigen Ton der Räuberchöre.
An diese Ästhetik des Hässlichen des «compositore rozzo», des bewusst ungehobelten frühen Verdi, knüpft der junge Regisseur Benedikt von Peter in seiner großartigen Frankfurter Inszenierung an. Annette Kurz hat ihm einen riesigen, nach hinten ansteigenden Bretterboden ...
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