Visionäre mit Schattenwurf
Drogenabhängig waren sie alle drei. Doch nicht der Rausch bacchantischer Verzückung war es, nach dem Karl Marx, Richard Wagner und Friedrich Nietzsche trachteten. Der Grund dafür, dass sie zeitlebens, in unterschiedlicher Dosierung, dem Opium zuneigten, war um einiges prosaischer: Es linderte schlichtweg ihre zum Teil extrem schmerzhaften körperlichen Leiden. Und es sorgte dafür, dass sie ihrer jeweiligen «Arbeit» zumindest über weite Strecken einigermaßen entspannt nachgehen konnten.
Bei aller Unterschiedlichkeit der Charaktere, Ansichten und «Fachgebiete» eint Marx, Wagner und Nietzsche vor allem eines: Sie waren Visionäre, ohne die sowohl die gesellschaftspolitische als auch die philosophische und musikalische Welt heute eine andere wäre; und sie stritten für ihre Überzeugungen und Utopien mit allen Mitteln der (rhetorischen, politischen, philosophisch-ästhetischen, klanglichen) Kunst. Und so irrt Herfried Münkler nicht, wenn er in seinem Buch mit dem triftigen Untertitel «Welt im Umbruch» das Herausragende ihres Schaffens herausstellt: «Alle drei waren Sterne, die einen langen, rotglühenden Schweif hinter sich herzogen, der immer noch am Funkeln ist beziehungsweise nach ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 29
von Jürgen Otten
Wajdi Mouawad zählt zu jenen überschätzten Regisseuren, die in Frankreich eine ansehnliche Karriere machen. Seit 2016 leitet der 52-jährige, libanesisch-kanadische Doppelbürger das Pariser Théâtre de la Colline, eines der sechs Nationaltheater im Lande, dem mit Alain Françon und Stéphane Braunschweig schon ganz andere Kaliber vorgestanden haben. Als Dramatiker...
Fast zeitgleich donnern auf vier Berliner Bühnenbretter die Schicksalsschläge der griechischen Tragödie: Ödipus’ Verhängnis. Und keine Spielplanpanne: Zwei Schauspiel- und zwei Opernhäuser der Hauptstadt nutzen die Mythensaga, das Lebensdrama des unschuldig-schuldigen Mannes, punktgenau zur Saisoneröffnung. Da entsteht die Frage: Ist das Theatertrauerspiel für...
Die Idee hatte Aviel Cahn, seit 2019 Intendant des Grand Théâtre de Genève. Und sie war kühn. Gleich neun verschiedene Institutionen sollten gemeinsam ein Opernlabor ins Leben rufen. Doch das Interesse war groß genug. Die Idee wurde Wirklichkeit, erhielt den Namen «OperaLab» und vereinigte als Mitstreiter unter anderem die Comédie de Genève, die Musikhochschulen in...
