Virtuosenglanz und Showeffekte
Schon vor Beginn der Händel-Renaissance hatte dessen «Giulio Cesare» einen (Außenseiter-)Platz im Repertoire. Unterdessen muss man von einem Boom sprechen. Der «Cesare» dürfte die meistgespielte Barockoper sein, eine Spielwiese nicht nur für Gesangsvirtuosen, sondern auch für Regisseure. Diesen Eindruck vermitteln drei Produktionen aus Glyndebourne, Barcelona und Sydney, die etwa gleichzeitig als DVD erschienen sind.
David McVicars Inszenierung in Glyndebourne (vgl.
OW 9-10/2005) setzt auf Showeffekte und den Spaßfaktor, zieht Parallelen zwischen Händels Barock-Entertainment und heutigen Broadway-Shows. Die Konzeption ist in sich schlüssig, auch wenn – vor allem im dritten Akt – die ernsten Zwischentöne verloren gehen.
Herbert Wernickes Basler Inszenierung (vgl. OW 2/99) begegnet uns in einem (prominenter besetzten) posthumen Remake aus Barcelona. Auch bei ihm kommen Spaß und Ironie vor der Analyse der seelischen Verfassung der Protagonisten. Für eine visuelle Umsetzung gibt die Aufführung weniger her, da die Sänger oft auf dunkler Bühne im Scheinwerferkegel stehen und der Running Gag mit dem Krokodil sich bald totläuft. In Sydney inszeniert sich Francisco Negrín einigermaßen brav ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein eitler Pultstar war er nie. Aber ein Könner ersten Ranges, der das Eisen mit expressiver Intensität schmiedete und neben dem beinahe kompletten klassischen und slawischen Repertoire Ur- und Erstaufführungen von Dessau, Berg, Schönberg, Udo Zimmermann und vielen anderen Zeitgenossen dirigierte, die der Dresdner Staatsoper in schwieriger Zeit bedeutungsvolle...
«Ein großer Schauspieler gewinnt gerade dank der Schminke, der Perücke oder der künstlichen Nase sein eigenes Gesicht», meinte Stanislaw Jerzy Lec. Das ist das eine. Das andere ist das private Gefühl, das einen Interpreten plötzlich überrascht. Vesselina Kasarova passierte dies zum Beispiel bei einer Vorstellung von Bellinis «I Capuleti e i Montecchi» in Paris,...
Am Ende wird die Ehre der zu Unrecht des Ehebruchs beschuldigten Genoveva wiederhergestellt. Das Ehepaar umarmt sich, man denkt an den Schlusschor in «Fidelio»: «Wer ein solches Weib errungen...» Doch hier ist der Jubel nur verhalten, innig, tief, nicht überschwänglich. Genau da liegt das Problem. In Schumanns einzigem vollendeten Bühnenwerk fehlt meist, was Oper...
