Theater der Angst und der Grausamkeit
Nicht auf das Märchenhafte des Stoffes ließ sich Konstanze Lauterbach ein in ihrer Bremer «Pelléas»-Inszenierung, beschwor auch kein jugendstilhaft-dekoratives Ambiente, sondern führte in teils ungemein aggressiver, dann aber auch wieder berührend poesievoller Symbolik dem Zuschauer menschliche Extremsituationen vor Augen. Es handele sich – so hat es Pierre Boulez einst formuliert – bei Debussys Oper nicht um ein Werk der «ängstlichen und farblosen Zurückhaltung», sondern «um ein Theater der Angst und der Grausamkeit, das als solches interpretiert werden müsse».
Genau das tut die Regisseurin, wenn sie die Menschen bloßstellt in ihren Gefühlen, sie leiden und sich gegenseitig wehtun lässt, brutal und ungeschützt.
Da ist die kreatürliche Angst der Mélisande (Sybille Specht mit kraftvoll-dunklem Sopran), die sie bei Golauds Anwesenheit in manisches Zittern verfallen lässt, während sie Pelléas gegenüber (Armin Kolarczyk singt ihn in untadeliger Diktion) frei und offen sich zu bewegen weiß. Da ist das Unverständnis dieses Golaud (mit vielen stimmlichen Nuancen: Loren Lang) für die zarten Schwingungen ihrer Seele, das in gewalttätigen Übergriffen kulminiert, etwa wenn er sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was wird in diesem minutiös nachgebauten, von Sonnenlicht durchfluteten Wiener Kaffeehaus des 19. Jahrhunderts mit seinen vom Zigarrenrauch der Jahrzehnte angegilbten Putz wohl gespielt? Lessings «Minna», die in einem Wirtshaus beginnt? Eine Nestroy-Komödie? Schnitzler? Oder doch eine Mozart-Oper? Mit kleiner, separater Bühne ist dieser Ort ausgestattet, einer...
In seiner fünfunddreißigsten Auflage enthielt der Bundeswettbewerb Gesang Berlin eine nicht unwesentliche Neuerung. Nach bundesweiten Vorausscheidungen und dem Hauptwettbewerb in Berlin wurden die Preisträger erst im Finalkonzert in der Komischen Oper ausgelobt, das von dem ehemaligen Wagner-Tenor Siegfried Jerusalem moderiert wurde. Für das Publikum des Konzerts...
Klassische Musik kann für Kinder sehr attraktiv sein», meinte kürzlich Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrats, «wenn man sie ihnen richtig vermittelt». Doch was heißt es, die Kleinen «richtig» an die Großen der klassischen Musikkultur heranzuführen?
Im letzten Heft haben wir am Beispiel ausgewählter Opernhäuser und Jugendmusiktheater...
