Die Ehrenrettung kann gelingen

Palermo, Schumann: Genoveva

Opernwelt - Logo

Am Ende wird die Ehre der zu Unrecht des Ehebruchs beschuldigten Genoveva wiederhergestellt. Das Ehepaar umarmt sich, man denkt an den Schlusschor in «Fidelio»: «Wer ein solches Weib errungen...» Doch hier ist der Jubel nur verhalten, innig, tief, nicht überschwänglich. Genau da liegt das Problem. In Schumanns einzigem vollendeten Bühnenwerk fehlt meist, was Oper ausmacht: das Extrovertierte, die Ekstase, das extreme Wechselbad der Gefühle. Ausgerechnet Palermo hat zum 150.

Geburtstag Schumanns den Rettungsversuch einer Oper gewagt, die in Italien seit vierzig Jahren, in Sizilien noch nie aufgeführt wurde.
Unbestreitbar die Qualität der Musik, ein Gemeinplatz die Kritik am Libretto frei nach Tieck und Hebbel, in dem Schumann seinen ungeschickten Textdichter vergeblich zu verbessern trachtete. Oft genug erklären die papierenen Personen ihre Gefühle, statt sie zu leben. Sicher auch, dass «Genoveva» 1850 schon ein Nachzügler der romantischen Oper war – «Der fliegende Holländer» segelte 1841, 1850 ließ Richard Wagner mit «Lohengrin» das Genre schon hinter sich.
Zwar erkannte man seit Eduard Hanslick die Hauptschwäche einer wenig bühnenwirksamen Musik: rhythmische Einförmigkeit. Doch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2007
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Dietmar Polaczek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Irrgarten der Liebe

Worin liegt das Geheimnis der ungebrochenen Wirkung von Mozarts drei Da-Ponte-Opern? Vor allem wohl in dem ungeschminkten Menschenbild, das Librettist und Komponist im Zusammenklang von Wort, Gesang, Szene und Musik entworfen haben. «Konflikte» – so Ivan Nagel über die funkelnde Theatralität dieser Partituren – «dürfen hier wie nie zuvor, nie seither, sich real...

Das ewige ­Problemkind

Es ist ein Kreuz mit schlechten Libretti. Sie können ganze Opern, aller musikalischen Qualitäten ungeachtet, in die Vergessenheit stoßen, und können umgekehrt – ihrer mä­ßigen, um nicht zu sagen schlechten literarischen und stofflichen Verarbeitung zum Trotz – manchen Meisterwerken einfach nichts anhaben. Das Textbuch zu Verdis «Trovatore» ist gewiss der letzteren...

Requiem für eine Revolutionärin

Abenteuer und hochfliegende Ideale, Courage und eine tragische Liebe – das ist der Stoff, aus dem Opern gemacht werden. Und all dies findet sich in der Vita Olga Benarios. Die aus einer jüdischen Familie stammende, 1908 in München geborene Kommunistin lebte ein Leben der Extreme. Mit zwanzig organisiert sie in Berlin die Befreiung des Parteigenossen Otto Braun,...