Unerfülltes Versprechen

Schumann: Genoveva
Mannheim | Nationaltheater

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Wenn der Hirsch röhrt, ist das in einer heutigen Aufführung einer romantischen Oper nur als ironisches Zitat zu verstehen. Bei Yona Kims Inszenierung von Robert Schumanns «Genoveva» am Nationaltheater Mannheim darf man sich da nicht so sicher sein. Denn das Gemälde, das an einer hellgrauen Wand aufgehängt wird, ist ästhetisch einwandfrei gearbeitet; die Hirschkuh liegt in waldigem Gebirge auf einer Anhöhe zu Füßen des beweihten Herrschers.

Die Reproduktion eines Gemäldes von Friedrich Gauermann birgt geheimnisvolle Dramatik, die zurückstrahlt auf die Betrachtenden, die zum Allegro-Teil der Ouvertüre die Bühne betreten haben: einer Gruppe von Frauen in pastellfarbenen Kostümen, zu der später eine somnambul wirkende, fragile Gestalt kornblumenblau leuchtend hinzutritt: Genoveva. Charakteristisch zacken dazu die Violinfiguren, die durch agogische Ausschläge immer wieder die Farbe der Hysterie annehmen.

Ein variabler weißer Proszeniumsrahmen, der wie eine Blende sich verengen lässt, fasst die Bilder. Schnell kann man so auf einen Bühnenausschnitt zoomen, wie auf den von Beginn an dort stehenden, leicht nach rechts versetzten Flügel, darauf ein dreiarmiger Bronzeleuchter, daneben ein ...

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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Götz Thieme

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