Frisch, frivol, fröhlich, frei
Offenbach? So denkt man unwillkürlich, wenn man sieht, wie sich im Straßburger Haus der Opéra national du Rhin zwei Herren vom Schnürboden in den Raum abseilen, der hier die Erde vorstellt. Der eine trägt Frack, Zylinder und Lackschuhe. Und: Drückt sich das Hinüberblinzeln zu Maître Jacques nicht auch darin aus, dass der bessere Herr in den besten Jahren sich in eine Frau verwandeln muss, um ein begehrenswertes junges Ding für sich zu interessieren? Monsieur ist der Verwandlungspezialist und Chefgott Jupiter – in der frühen italienischen Oper Giove.
Die Dame, die anzubaggern er sich vorgenommen hat, ist die Nymphe Calisto, Titelheldin der Oper von Francesco Cavalli (1602 bis 1676).
In «La Calisto» geht es um die Liebe und nichts als die Liebe – in allen Erscheinungsformen, als glückliche und unglückliche Zuneigung, als tragisch vergebliche und lachhafte, als erfüllte und enttäuschte, eifersuchtsgeplagte und vergnügliche. Und eben auch als gleichgeschlechtliche. Das Durcheinander ist beträchtlich, am Ende hat die notorisch hintergangene Göttergattin Giunone halbwegs für Ordnung gesorgt und Calisto in eine Bärin verwandelt – mit der Aussicht, zum Sternbild am nächtlichen Firmament ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Heinz W. Koch
Endrik Wottrich war – in Stimme und Temperament – ein Heißsporn, den die äußere Welt noch zusätzlich befeuerte. Seine Karriere holte nicht Schwung wie die von Jonas Kaufmann, sie raste gleich los. Kaum hatte der Tenor 1992 als Cassio in Verdis «Otello» debütiert, sang er am Grünen Hügel schon vier Jahre später den jungen Seemann in Wagners «Tristan und Isolde». Die...
Die «Generation Praktikum» hat längst die Opernhäuser erreicht. Früher war das anders, da wurde man einfach ins Wasser geworfen: Adelina Patti war bei ihrem Bühnendebüt gerade mal 16, Lilli Lehmann nur ein Jahr älter, Anna von Mildenburg und Astrid Varnay standen mit 23 erstmals auf den Brettern, beide in der «Walküre» – Mildenburg 1895 als Brünnhilde in Hamburg...
Vor langer Zeit hat mir eine Kollegin von einer Auseinandersetzung mit einem Regisseur erzählt. Ich habe die Anekdote nie vergessen. Sie schuftete als Fiordiligi für eine Wiederaufnahme. Auch bei der Premiere war sie dabei gewesen, jetzt – mit Abstand – schien ihr manches noch absurder als zuvor. Als es an «Per pietà» ging, konnte sie sich die Frage einfach nicht...
