Traumspiel à la Freud
Hin und wieder scheinen Stücke an ihrem Anspruch ebenso zu scheitern wie an den in sie gesetzten Erwartungen. Ein Musterbeispiel hierfür ist Franz Lehárs Operette «Zigeunerliebe» (1910). Musikalisch erfüllt das Stück über weite Strecken die Anforderungen einer Oper, auch das Libretto sucht Operetten-Klischees zu meiden – ohne, den Usancen der Operettenkunst der Zeit entsprechend, ganz auf sie verzichten zu können.
Obendrein galt «Zigeunerliebe» lange als unaufführbar – wegen der Einbeziehung der Natur (fließendes Gewässer!) in das Geschehen, wegen der Verwirrung von Traum und Wirklichkeit. Peinlich wurde es in der Fernsehverfilmung von 1974, die das Stück zum Feld-Schloss-und-Wiesen-FolkloreSpektakel verflachte.
Vielleicht kommt Leonard Prinsloos Bühnenvariante beim Lehár-Festival Bad Ischl nun als Erste den Intentionen des Komponisten und seiner beiden Librettisten wirklich nahe – weil sich in ihr die Grenzen von Schein und Sein fast völlig auflösen. Denn im Grunde kann man «Zigeunerliebe» als eine Parabel begreifen, die sich um Liebesprojektionen und Liebeserwartungen dreht. Eine junge Frau, Zorika, soll einen Mann, Jonel, heiraten, den sie nicht wirklich begehrt. Der Zigeuner ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Alexander Dick
Die «Elektra»-Musik ist die modernste und kühnste, die Richard Strauss je komponiert hat. Kreischende Dissonanzen, schlingernde Polytonalität. Das Orchester fährt pausenlos Achterbahn, wenn es alle Herausforderungen meistert. Zu den während der letzten beiden Jahrzehnte produzierten CD-Einspielungen zählen die von Daniel Barenboim (1994), Giuseppe Sinopoli (1995)...
Das Berliner Musikfest stellt 2012 unter anderem Musiktheater in den Mittelpunkt. Simon Rattle dirigiert seit Langem wieder «Porgy and Bess», Sylvain Cambreling leitet Schönbergs «Moses und Aron» – und John Adams steht höchstselbst am Pult bei seinem Durchbruchsstück «Nixon in China».
So viel Stockhausen war selten. In Birmingham findet die erste Gesamtaufführung...
Selten ist im Vorfeld einer Premiere so viel schiefgelaufen wie jetzt im Mannheimer Nationaltheater bei Johann Christian Bachs «Temistocle», einer Reformoper, die 1772 in Mannheim uraufgeführt und seither kaum mehr gespielt worden ist. Ursprünglich sollte sie szenisch von Achim Freyer betreut werden. Als dieser sich entschied, als «Ring»-Regisseur einzuspringen,...
