Balanceakt
In den Festzelten füllen sich die Plastikbecher mit Kaltgetränken, die Luft ist warm, der Himmel blau, die Laune leicht. Das Thema aber ist schwergewichtig: Im Schatten der steilen Sandstein-Silhouette von Dom und Severikirche wird Verdis selten gespielte Kreuzzugs-Oper «I lombardi» gezeigt. Eine goldene Welle schwingt sich elegant über den Fuß der Freitreppe, eine stilisierte Wüstendüne, auf der sich Lombarden und Muselmanen lieben und bekriegen.
Vor jedem Akt wird das Publikum per Durchsage über die Handlung informiert und darf sich ansonsten den ebenso ästhetischen wie symbolstarken Bildern hingeben. Unterschriften in Neonbuchstaben ersetzen schlagworthaft die Übertitelanlage: MORD. HASS. FRIEDEN.
Da das Libretto ohnehin jedem sprunghaft bis abstrus erscheinen muss, der nicht zuvor Tommaso Grossis Epos studiert hat, ist das keine schlechte Idee, und die wesentliche Botschaft vermittelt sich durchaus. Wenn nach der großen Schlachtszene im vierten Akt Christen und Muslime ohne ihre Kreuze und Halbmonde wiederauferstehen, die Bühne mit Fackeln in der Hand in ein aufgeklärtes Licht tauchen und zwei überlebensgroße primitive Holzfiguren Versöhnung signalisieren, versteht jeder, dass ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Wiebke Roloff
Katharina: die Provinz
Auf gut Fränkisch klingt das Wort wie eine Drohung: Brrroowinz. Der letzte Patriarch von Bayreuth hatte sich darin indes sehr wohl gefühlt. Denn Wolfgang Wagner, Alleingesellschafter der Bayreuther Festspiele, wusste, wie auch schon sein Großvater Richard, um die Vorzüge der Abgeschiedenheit von den Zentren. In der Provinz Erster zu sein,...
Herr Schreier, Sie sind als Oratorien- und Liedsänger berühmt geworden. Die Oper kam erst später hinzu?
Ja, so ist es. Meine Entwicklung ging vom Dresdener Kreuzchor aus, von der Affinität zu den alten Meistern. Warum bin ich überhaupt zur Oper gekommen?! Ich werde es Ihnen sagen: Eine Gesangskarriere kann man nicht ohne Oper machen.
Fühlten Sie sich zur Oper...
Das Teatro Olimpico in Rom, eine Vorstellung von Mozarts «Zauberflöte». Mehrere hundert Sechs- bis Dreizehnjährige haben sich eingefunden, und sie machen mit: Sie stimmen in Papagenos Arien ein, sie singen fast die komplette Partie der Drei Knaben und alle Chorpassagen. Am Ende bejubeln sie ihren jungen Dirigenten Salvatore Percacciolo wie einen Popstar – ein...
