Lauter Übergänge

Baden-Baden | Mussorgsky: Boris Godunow

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Am Ende bricht Boris im Parlament zusammen. Nikolai Putilin, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Boris Jelzin aufweist, hatte an diesem Abend nach schwachem Beginn dem Zaren doch noch klares Profil geben können. Besonders in der Wahnsinnsszene des letzten Bildes, als Godunow von Schujskij – strahlkräftig, aber zu unkontrolliert: Yevgeny Akimov – abermals mit der dunklen Vergangenheit konfrontiert wird. Da mobilisiert Putilin alle Facetten seines farbsatten Bassbaritons – und dieser Boris ist uns plötzlich ganz nahe.

Sein Schmerz über den Mord am Zarewitsch Dimitri, den er selbst angeordnet hatte, frisst sich nach innen. Auch Valery Gergiev verzichtet mit dem Orchester des Mariinsky-Theaters St. Petersburg auf Effekte, demonstrativ geschärfte Kontraste, hebt vielmehr den dunkel getönten Streicherklang hervor – und evoziert so die aufziehende Nacht um eine zerrissene Persönlichkeit. Als Boris tot ist, legt das Volk so viele Blumen-kränze auf dem Körper nieder, dass er nicht mehr zu sehen ist. Ob Fjodor, der schmächtige Sohn (mit heller Knabenstimme: Ivan Khudyakov), der völlig verstört am Rednerpult steht, dieses Russland weiterregieren wird, weiß niemand zu sagen.

Gergiev hat für die ...

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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Georg Rudiger

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