Todessehnsüchtig
Insel der Glückseligen? Das Bild, das wir zu Beginn des dritten Aufzugs sehen, verheißt diesbezüglich wenig Gutes. Johannes Leiackers karge, von Olaf Winter raffiniert ausgeleuchtete Schwarzweiß-Bühne definiert Kareols Küste vielmehr als Ort einsamen Sterbens, als Gegenentwurf zu einer irgendwie gearteten positiven Utopie.
Zerborstene Bruchstücke jener riesigen Platte, die noch im ersten Teil über dem Boden schwebte (und so zum Menetekel der gewaltigen Gefühlsschwankungen wie zum Gefängnis für Isolde wurde) und dann im Liebesakt als gleichermaßen trennende Wand und Magnetfeld für die Liebenden emporragte, türmen sich zum granitschwarzen Scherbenhaufen. Zwischen den Brocken das angespülte schwarze Ruderboot und Tristan, nach innen gewendet, ohne Weltbezug, nur noch mit seiner Erinnerung konfrontiert.
Es ist eine traurige Erinnerung: Müde wandelt das Englischhorn mitsamt seiner melancholischen Melodie übers nebelverhangene f-Moll. Wie wichtig «diese alte Weise» für Tristan ist, verdeutlicht die Entscheidung Katharina Thomas, den Musiker Romain Curt auftreten zu lassen, als barfuß, im schwarzen Anzug ums karstige Gestein herumstreichende Figur. Die Regisseurin hat den Text genau ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
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Uraufgeführt wurde die fünfte Oper des irischen Komponisten Gerald Barry 2016 in Los Angeles konzertant; im selben Jahr kam sie ans Londoner Barbican Center. Das Royal Opera House präsentierte «Alice’s Adventures Under Ground» nun erstmals szenisch, mehrmals täglich und in wechselnder Besetzung, beginnend mit Matineen an Londoner Schulen: eine vorzügliche Idee für...
Irgendwann an diesem Abend durchfliegt einen der Gedanke an Beethovens «Eroica». Und die Frage, wie viele Musiker wirklich nötig sind, um dieses symphonische Schlüsselwerk angemessen zu interpretieren. Während heute bis zu 80 Musiker auf dem Konzertpodium sitzen, waren es bei der Uraufführung der Symphonie anno 1803 im Palais des Fürsten Lobkowitz gerade einmal...
