Todessehnsüchtig
Insel der Glückseligen? Das Bild, das wir zu Beginn des dritten Aufzugs sehen, verheißt diesbezüglich wenig Gutes. Johannes Leiackers karge, von Olaf Winter raffiniert ausgeleuchtete Schwarzweiß-Bühne definiert Kareols Küste vielmehr als Ort einsamen Sterbens, als Gegenentwurf zu einer irgendwie gearteten positiven Utopie.
Zerborstene Bruchstücke jener riesigen Platte, die noch im ersten Teil über dem Boden schwebte (und so zum Menetekel der gewaltigen Gefühlsschwankungen wie zum Gefängnis für Isolde wurde) und dann im Liebesakt als gleichermaßen trennende Wand und Magnetfeld für die Liebenden emporragte, türmen sich zum granitschwarzen Scherbenhaufen. Zwischen den Brocken das angespülte schwarze Ruderboot und Tristan, nach innen gewendet, ohne Weltbezug, nur noch mit seiner Erinnerung konfrontiert.
Es ist eine traurige Erinnerung: Müde wandelt das Englischhorn mitsamt seiner melancholischen Melodie übers nebelverhangene f-Moll. Wie wichtig «diese alte Weise» für Tristan ist, verdeutlicht die Entscheidung Katharina Thomas, den Musiker Romain Curt auftreten zu lassen, als barfuß, im schwarzen Anzug ums karstige Gestein herumstreichende Figur. Die Regisseurin hat den Text genau ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
Über seine wahre Herkunft lässt der rätselhafte Gralsritter Lohengrin das staunende Bühnenvolk wissen: « ... ein lichter Tempel stehet dort inmitten ...». Ein ganz anderes Erstaunen kennt der Opernbesucher in Chemnitz: Lohengrins Tempel, darf man fantasieren, wäre im Grunde genau hier zu verorten, an dem bei anbrechender Dunkelheit schimmernd bestrahlten Haus auf...
Die quasi religiöse Beethoven-Verehrung vergangener Zeiten scheint nicht mehr en vogue, selbst in diesem Jubiläumsjahr. Bereits vor 20 Jahren stellte die FAZ im Zusammenhang mit einer Neuedition von Beethovens Briefwechsel fest, dass der «Klassiker-Kanon an normativem Druck verloren» habe, und damit auch jene «Einschüchterung durch Klassizität», gegen die Brecht...
Der Raum habe für sie etwas «Flirrendes, Zittriges», sagt Regisseurin Barbara Frey. Das ist zweifelsohne richtig. Doch da, wo einem in einem Vexierbild die Augen ineinander übergehen, kehrt gleichzeitig Starre ein. Insofern ist Bettina Meyers Bühnenbild für Mozarts «Le nozze di Figaro» am Theater Basel in jeder Hinsicht bemerkenswert: Mehrere sich ins Unendliche...
