Thesentheater
Der Mensch macht Ordnung, schon im Kindesalter ‒ das ist dem Berliner Videokünstler Konrad Kästner aufgegangen, als er seinem Sohn beim Spielen mit Bauklötzen zusah. Was aber macht die Ordnung mit dem Menschen? Das wollte Kästner spielerisch-szenisch herausfinden und erfand zusammen mit dem Musiker Marc Sinan und der Ausstatterin Eylien König ein Setting, das dem Kultursekretariat NRW in Wuppertal für sein neues Förderprojekt «NOperas!» angeboten wurde.
Ob dabei, gemäß dem Label, eine Oper herauskommt oder nicht ‒ für «NOperas!» haben sich die Opernhäuser in Wuppertal, Bremen und Halle zusammengeschlossen, um die experimentellen Anordnungen in jeder Aufführung als work in progress weiterzuentwickeln. Wobei das Kultursekretariat der über Jahrzehnte bewährten Leitlinie folgt: Wenn neue Konstellationen im Musiktheater nicht öffentlich gefördert werden, wird sich irgendwann niemand mehr darum kümmern.
Wie also, so fragt die am 11. Januar gestartete Wuppertaler Versuchsreihe, wirkt sich das offenbar urmenschliche Bedürfnis nach Ordnung und Organisation auf unsere Gesellschaft aus? Kästner/Sinan/König haben auf der Bühne des Opernhauses (der Zuschauerraum bleibt leer) eine Art ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2020
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Michael Struck-Schloen
«Das Serail ist eine Stadt. Ein Leben ständigen Rennens, […] ein Gefängnis der Einsamkeit.» Als Luk Perceval für eine Opernregie in Genf angefragt wurde, bestand der belgische Theatermann auf «beträchtlichen Freiheiten». So wurde Mozarts Singspiel aus dem Jahre 1782 entkernt: keine Dialoge, kein Serail, kein Bassa Selim, kein Orientalismus. Stattdessen eine...
Als das weitläufige Kulturzentrum, das seinen Namen trägt, im Februar 2017 den Betrieb aufnahm, war Stavros Niarchos schon 21 Jahre tot. Nach dem Krieg, in den 1950ern und 1960ern, hatte der in Athen aufgewachsene Unternehmer mit einer günstig erworbenen und weltweit eingesetzten Schiffsflotte, zu der zeitweilig 80 Tanker gehörten, Milliarden verdient. Wie sein...
Rossini in Pesaro dirigieren – ist das schwerer oder leichter als anderswo?
Es gibt dort ein großes Verständnis für diesen Komponisten, das macht es leicht. Andererseits muss man mit den Orchestern, die aus der Symphonik kommen, stilistische Dinge klären oder die Balance zur Bühne. Nehmen wir das berühmte Rossini-Crescendo: Da lasse ich während der ersten Takte...
