Theater der Grausamkeit
Gerade 40 Jahre sind es her, dass Jean-Pierre Ponnelle und Nikolaus Harnoncourt am Opernhaus Zürich ihren Monteverdi-Zyklus zeigten und die drei überlieferten Opern endgültig für das Repertoire zurückgewannen – opulente Inszenierungen der Sinnenfreude, bei denen die barocke Schaulust allerdings oft nicht von der schicken Schaufensterdekoration zu unterscheiden war. Bildkräftig zupackend geht es jetzt auch bei Lorenzo Fioroni am Nationaltheater Mannheim zu.
Aber es ist ein finsterer, gewalttätiger Blick, den er auf den historisch verbürgten Stoff der ehebrecherischen Liebschaft des römischen Kaisers Nero mit der berechnenden Aufsteigerin Poppea wirft. Er befindet sich dabei durchaus im Einklang mit dem Librettisten Busenello, der der dekadenten venezianischen Gesellschaft, und zwar den hohen wie den niederen Ständen, den Spiegel vorhielt.
Wenn sich Paul Zollers Bühne öffnet, sehen wir keinen lichten Traum, sondern einen suggestiv beleuchteten, geradezu gespenstisch dräuenden Albtraum. Zoller hat den Boden mit Wasser geflutet, in dem die Darsteller knöcheltief waten. Unter Schlieren trüber Nebelschwaden schwimmt Papierabfall und Müll, an den Rändern lagern Schrott, ein Tisch und ein ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Uwe Schweikert
Das Lob des Herrn hat viele Gesichter. Es kann demütig sein, erhaben frohlockend, schlicht-eingängig. Aber es kann auch so sein wie hier: überschäumend, vital, ja beinahe ausgelassen. Antonio Vivaldis «Gloria», mit großer Wahrscheinlichkeit anlässlich Venedigs Sieg gegen die Türken anno 1716 komponiert, sprüht vor diesem erquickenden Geist, der geistliche Würde mit...
Nicola Raab hat im Dezember 2017 gezeigt, dass man Zandonais «Francesca da Rimini» nicht im Plüsch ertränken muss. Der «decadentismo» dieser blutigen Tragödie aus dem Jahre 1914 fokussiert auf Gewalt, wie sie so oft den Umgang zwischen den Geschlechtern konditioniert. In Straßburg hatte sich Raab die Perspektive der Titelheldin zu eigen gemacht. An der Mailänder...
Régine Crespin (1927-2007) war die bedeutendste französische Sopranistin der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Warner Classics erinnert an sie mit einer umfangreichen CD-Kollektion, die Aufnahmen aus den Jahren 1958 bis 1976 bündelt – Arien und Szenen aus Opern Verdis, Wagners, Massenets und Puccinis, Offenbach-Operetten und einer reichen Liedauswahl, die von...
