Mehr oder weniger?

Zandonai: Francesca da Rimini
Mailand | Teatro alla Scala

Nicola Raab hat im Dezember 2017 gezeigt, dass man Zandonais «Francesca da Rimini» nicht im Plüsch ertränken muss. Der «decadentismo» dieser blutigen Tragödie aus dem Jahre 1914 fokussiert auf Gewalt, wie sie so oft den Umgang zwischen den Geschlechtern konditioniert. In Straßburg hatte sich Raab die Perspektive der Titelheldin zu eigen gemacht. An der Mailänder Scala inszenierte David Pountney dieses Drama um Krieg und Ehebruch nun als «Männerfantasie», präziser: als Fantasie des nicht nur wortgewaltigen Autors von Zandonais Vorlage.

Nachdem sich Gabriele d’Annunzio als herausragender Poet des italienischen Fin de Siècle etabliert hatte, sollte er aktiv in Krieg und Politik eingreifen: in tollkühnen Aktionen wie seinem 1000-Kilometer-Flug über die feindlichen Linien nach Wien im August 1918, in einem nicht minder verwegenen Kommandounternehmen, mit dem er die Stadt Fiume/Rijeka für Italien eroberte, Anfang der 1920er-Jahre dann bei der Durchsetzung des Faschismus.

Für die präfaschistische Atmosphäre von d’Annunzios Tragödie findet Pountney imposante Bilder. Leslie Travers stellt ihm eine Bühne zur Verfügung, in der – wie in Straßburg – zwei Kreissegmente gegeneinander verschoben ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Anselm Gerhard

Weitere Beiträge
Gebrochen

«Gloriana» – so bejubelten die Untertanen ihre Kö­ni­gin Elisabeth I. nach dem Sieg der englischen Flotte über die Große Armada der Spanier anno 1588. Doch Elisabeths Alltag war wenig glorreich: Umgeben von
intriganten Höflingen, innerlich zerrissen, galt ihre Zuneigung dem drei Jahrzehnte jüngeren Robert Devereux. Dass der Graf von Essex ihr Günstling war, ist...

Spielpläne Ausland Juni 2018

Argentinien

Buenos Aires
Teatro Colón

Tel. +54-1-382 23 89
www.teatrocolon.org.ar
– Aida: 2., 3., 5.

Australien

Brisbane
Opera Queensland

Tel. +61-7-38 44 77 90
www.operaq.com.au
– Lehár, The Merry Widow: 22. (P), 23., 23., 27., 29., 30.
I: Murphy, B: Scott-Mitchell, K: Irwin, S: Hobson, Peluso, Barry-Smith, Stenzel, Parker, Marino, Brown, Collis, Hartley, Low, Maskell,...

Ehre sei Gott in der Höhe des Swing!

Das Lob des Herrn hat viele Gesichter. Es kann demütig sein, erhaben frohlockend, schlicht-eingängig. Aber es kann auch so sein wie hier: überschäumend, vital, ja beinahe ausgelassen. Antonio Vivaldis «Gloria», mit großer Wahrscheinlichkeit anlässlich Venedigs Sieg gegen die Türken anno 1716 komponiert, sprüht vor diesem erquickenden Geist, der geistliche Würde mit...