Tanz in den Abgrund

Wayne Marshall setzt in Dresden John Harbisons «The Great Gatsby» unter Strom, in einer Inszenierung von Keith Warner. Doch den spannenden Abend verschatten akustische Probleme. Dazu ein Interview mit dem britischen Dirigenten

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Wer einen der populärsten Zeitromane der Weltliteratur vertont, hat einen Riesenvorteil: Jeder kennt den Stoff. Gerade bei zeitgenössischer Musik senkt das manche Schwelle. Mit dem Vorteil kommt aber auch ein Riesenproblem. Es bringt nämlich auch jeder eine ganz persönliche Vorstellung davon mit, welche Gestalt das Ganze annehmen sollte – und ist dann enttäuscht von der konkreten Umsetzung.

Das macht sich auch an der Semperoper bemerkbar, die jetzt als erstes europäisches Haus John Harbisons «The Great Gatsby» herausgebracht hat, einen 1999 für die New Yorker Met entstandenen Zweiakter (siehe OW 2/2000). Im ungewöhnlich jungen Publikum glänzt Mode im Zwanzigerjahre-Stil, schillern Wasserwellen: Fitzgerald-Fans und Mitglieder der Swing-Szene geben sich vor Beginn erwartungsfroh – in der Pause aber schon weniger beschwingt. «Mit dem Roman kann das nicht mithalten», hört man sie raunen.

Als der Komponist sich an die Arbeit machte, wollte er aus Furcht vor ebensolchen Reaktionen gewisse Schlüsselstellen einfach unter den Tisch fallen lassen. Das redete man ihm aus: Auf geflügelte Worte wie «Her voice is full of money» warten die Leute eben! Harbison rang sich dazu durch, den Satz zu ...

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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Wiebke Roloff

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