Immer wieder montags
Herr Rothe, seit letzten Oktober müssen die Sächsischen Staatstheater mit fremdenfeindlichen Protesten direkt vor der Haustür umgehen.
Jeden Montag erleben wir, wie sich in Dresden die Atmosphäre verdüstert. Am nächsten Tag wirkt die Stadt dann wieder, als wäre alles in Ordnung – aber jeder weiß, dass das nicht stimmt. Unheimlich ... Angefangen hat alles im Oktober 2014, mit der Geburtsstunde von Pegida. Die Demos wuchsen schnell. Als dann im Dezember ein «Weihnachtsliedersingen» angekündigt wurde – vor der Oper! –, war das Maß voll.
Wir schalteten zum ersten Mal die Fassadenbeleuchtung ab.
Böse Zungen sagten damals, die Semperoper wolle sich bloß aus den Bildern raushalten ...
Jeder kennt die Semperoper. Seit über einem Jahr gehen Fotos und Videos von den Pegida-Aufmärschen um die Welt, und immer ist das Haus darauf zu sehen. Die inhaltliche Verknüpfung passt uns überhaupt nicht. Aber nicht aus Angst vor einem Image-Knick – sondern weil hier humanistische Grundwerte angegriffen werden. Wir haben also nicht bloß das Licht ausgemacht, sondern zugleich eigene Botschaften dagegengesetzt, mit Bannern, Fahnen und Projektionen, «Für eine weltoffene, tolerante Gesellschaft» etc.
Wie hat die ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Wiebke Roloff
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Der Mannheimer Literatur- und Medienwissenschaftler Jochen Hörisch hat ein Buch geschrieben, das das Richard-Wagner-Jubel-Jahr 2013 geziert hätte. Indirekt entlarvt es im Nachhinein viele der kalkuliert zum 200. Geburtstag entstandenen Publikationen als Schnellschüsse, als muskelschlaffe biografische Klimmzüge: Wagners Frauen, Wagner als Revoluzzer, Wagner «Mit den...
«Das Vertrauen junger Menschen erwirbt man am besten dadurch, dass man nicht ihr Vater ist»: Der Aphorismus von Henry de Montherlant könnte als Gebrauchsanweisung für Verdis «Luisa Miller» (1849) dienen. Luisa und ihr Geliebter Rodolfo würden dem Franzosen dafür vermutlich all die Rosen streuen, die in Paul Esterházys Grazer Inszenierung so reichlich appliziert...
