Mit dem Teufel ins All
Endlich wieder ein Skandal an der Pariser Oper! Es ist erfrischend. Gelacht wird in der Aufführung, gerufen und geheult, so laut, dass der sonst so gelassene Philippe Jordan den Zuschauerraum um Ruhe bitten muss, damit man wenigstens das (von Christophe Grindel betörend schön gespielte) Englischhornsolo hören kann. Seit den Gerard Mortier-Jahren haben wir eine solche Stimmung an der Bastille nicht mehr erlebt.
In «Moses und Aron» hielt das Zusammenspiel von Musik (Philippe Jordan) und Szene
(Romeo Castellucci) die Zuschauer so fest gepackt, dass sie auf ihren Plätzen saßen wie gebannt (siehe OW 12/2015). Nach Krzysztof Warlikowskis Bartók-Poulenc-Abend: einhelliger Zuspruch. Aber Alvis Hermanis’ Inszenierung von Berlioz’ «La Damnation de Faust» brachte das Premierenpublikum in Rage. Dass es gleichzeitig der Gala-Abend des Fördervereins der Oper (Association pour le Rayonnement de l’Opéra national de Paris) war, trug sicher nicht zur Beruhigung der Gemüter bei: «Für so eine Schweinerei geben wir denen auch noch Geld!» – dergleichen war während der Pause in mancher Runde zu hören.
Eine solche Reaktion scheint uns völlig unverhältnismäßig. Der Ansatz des lettischen Regisseurs ist kühn, ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Christian Merlin
Die schwebende Kantilene des Vorspiels, mit der Verdi Liebe und Tod der Violetta auf den Plan ruft, lässt Daniel Barenboim von den vierfach geteilten Streichern fein schattiert auftragen. Und er fügt den Phrasen eine Emphase des Seelischen hinzu: So nachdrücklich im An- und Abschwellen der Töne hört man das Preludio selten. Auf der Bühne begibt sich währenddessen...
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