Singen hilft
In Chicago bekommt man nicht übertrieben häufig neue Stücke vorgesetzt, ganz zu schweigen von solchen, die tatsächlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen (wie etwa 1992 William Bolcoms «McTeague», definitiv ein repertoiretaugliches Werk). Entsprechend große Beachtung fand deshalb der erste Opernversuch des aus Peru stammenden Komponisten Jimmy López (*1978), der jetzt an der Lyric Opera aus der Taufe gehoben wurde – «betreut» von Renée Fleming, der «Kreativ»-Beraterin der Kompanie.
Alle neun Vorstellungen waren so gut wie ausverkauft, am sechsten Abend liefen die Kameras mit: «Bel Canto» wird im Fernsehen ausgestrahlt, auch eine DVD-Produktion steht zu erwarten.
Für öffentliches Interesse sorgten schon der Stoff und die literarische Vorlage. Ann Patchetts gleichnamiger Roman aus dem Jahr 2001 greift die Geiselnahme in der japanischen Botschaft in Lima 1996/97 auf, die zu zähen internationalen Verhandlungen führte und erst nach Monaten ein blutiges Ende nahm. Patchett installiert einen allwissenden Erzähler als Sprachrohr für die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer Figuren, schildert dabei die Geschehnisse im milden Licht eines Magischen Realismus. Zwischen Tätern und Opfern ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von David Shengold
Zwei neue CD-Programme von zwei der besten Countertenöre unserer Tage mit Kompositionen aus dem 17. Jahrhundert. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Was Sängertypus, Konzeption und Interpretation betrifft, könnten die Produktionen kaum unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite steht Max Emanuel Cencic, der mit knapp 40 Jahren schon zu den...
Der Mann im rotbraunen Samtsakko mit Fliege zündet sich zum Schluss genüsslich einen Glimmstengel an und hört mit sarkastischem Lächeln, wie die anderen ihn verabschieden. «Questo è il fin di chi fà mal», dies sei das Ende von jemandem, der Böses tue, behaupten sie. Weswegen der Mann im Samtsakko (es ist, erraten, Don Giovanni) sie dann auch in den Orkus schickt....
Ein «Siegfried» in brutto viereinhalb Stunden, das ist rekordverdächtig – und am Teatro Massimo in Palermo sowohl Ärgernis als auch Grund zur Freude. Ein Ärgernis deshalb, weil Pausen von nur zweimal zwanzig Minuten einen Wagner-Abend nicht kürzer, sondern länger wirken lassen. Dass so etwas kein nebensächliches organisatorisches Detail ist, belegt die eher kühle...
