Stürmische Intensität
Er ist ein Außenseiter. Von der Dorfgemeinschaft misstrauisch beäugt. Auch wenn Peter Grimes am Anfang das Zentrum bildet auf der Bühne des Mannheimer Nationaltheaters. Es besteht kein Zweifel, dass er gegen das Wüten der anderen am Ende keine Chance haben wird. Zwar wird Brittens verstrickter Schmerzensmann aus Mangel an Beweisen freigesprochen, doch für die Fischer steht fest, dass er sich etwas hat zuschulden kommen lassen. Sie nehmen die Verurteilung selbst in die Hand: Bald wird das Wort «Mörder» in roten Lettern an die Wand gesprayt.
Regisseur Markus Dietz bleibt in seiner Inszenierung nahe an der Geschichte. Was genau vorgefallen ist, ob Grimes für den Tod seiner jungen Gehilfen verantwortlich ist, sie womöglich misshandelt hat, bleibt offen, die Charakterisierung der Figur mehrdeutig. Es geht um Grundfragen, die gerade heute, vor dem Hintergrund öffentlicher Debatten um sexuelle Gewalt, brennend aktuell sind – und die schon Montagu Slaters famoses Libretto aufwirft: Darf man für diesen zu Tätlichkeiten neigenden, vom Mob gehetzten Typen Sympathie empfinden? Es sind solche Fragen, die Markus Dietz in starken Bildern ausbreitet. Ines Nadler taucht die Bühne in eine mystische ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Jesper Klein
Tote Ratten unter den Garderoben, ein bestialischer Gestank aus der Kanalisation, eine Heizung, die nur unter Vollgas oder gar nicht funktioniert, nicht zu vergessen der Lärm, der von den Messehallen herüberschallt: Theater machen, das bedeutet in Landshut Ausnahmezustand. Seit fünf Jahren geht das schon so. Seit dieser Zeit spielt und singt das Landestheater...
Ein Kriegsschauplatz irgendwo im Mittleren Osten: westliche Einsatztruppen im Gefecht mit muslimischen Guerilla-Kämpfern. Bilder, wie man sie – allerdings ohne die pseudo-ethnischen Balletteinlagen der Choreografin Rebecca Howell – weidlich aus der Berichterstattung internationaler TV-Nachrichtensender kennt. An der Mailänder Scala tauschen diplomatische Gesandte...
Er war der letzte bedeutende Zeuge einer großen Ära der italienischen Oper und ein vielseitiger Sängerschauspieler der Sonderklasse: der Bariton Rolando Panerai. 1924 in Campo Bisenzio (bei Florenz) geboren, debütierte er nach Studien in Florenz und Mailand 1946 in seinem Heimatort als Enrico in «Lucia di Lammermoor». Erste herausragende Aufgaben fand er beim...
