Ausweglos
Als «tragisch-satirische Oper» hat Schostakowitsch «Lady Macbeth von Mzensk» bezeichnet. Für die kaltblütige Mörderin bekannte er sogar «Sympathie», während er bestrebt gewesen sei, den sie «umgebenden Lebensverhältnissen einen finster-satirischen Charakter zu verleihen» – eine Selbstexplikation, die nicht dadurch ins Recht gesetzt wird, dass Stalin die musikalisch grell überdrehte Groteske 1936, zwei Jahre nach ihrer Uraufführung, als «wirr und absolut unpolitisch» inkriminieren ließ.
In der Frankfurter Neuinszenierung impliziert Regisseur Anselm Weber eine doppelbödige Sicht, die den Blick auf beide Extreme schärft. Kaspar Glarner hat einen betongrauen, trichterförmigen Raum gebaut, mit einem aus dem Schnürboden hängenden überdimensionalen Vogelbauer als Liebes-Lotterbett – ein auswegloses Gefängnis, aus dem die frustrierte Katerina sich mittels einer VR-Brille in eine virtuelle Realität hinausträumt. Die Choristen tragen Strahlen-Schutzanzüge. Folkloristisches ist weitgehend ausgespart und schlägt nur am Rand durch – in der Figur des als Transvestit sich in Damenreizwäsche entblätternden Popen, der Hochzeitsfeier, der Polizei. Alle Beziehungen beruhen auf der Verbindung von ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Uwe Schweikert
Etwas Auffälliges übersehen? Dazu fällt uns Luciano Pavarotti ein, der in einer Talkshow mal vom schönsten Kompliment erzählte, das er je erhalten habe: In London habe ein Mann ihn auf der Straße ungewollt angerempelt und sich mit den Worten entschuldigt: «Sorry, I didn't see you ...» Zwar wirkt die Anekdote, angewandt auf die Spielplanpolitik der Wiener...
Einer der herrlichsten Einstiege des Theaters findet sich in George Taboris schwarzhumorigen «Goldberg-Variationen». Auf einer schwarzen Leinwand erscheint in weißer Leuchtschrift der Satz «Gott ist tot. (Nietzsche)». Kurz darauf erlischt die Schrift. Pause, Dunkel. Dann erneut ein Satz, diesmal unterzeichnet vom Ausgelöschten höchstselbst: «Nietzsche ist tot.»...
Er ist ein Außenseiter. Von der Dorfgemeinschaft misstrauisch beäugt. Auch wenn Peter Grimes am Anfang das Zentrum bildet auf der Bühne des Mannheimer Nationaltheaters. Es besteht kein Zweifel, dass er gegen das Wüten der anderen am Ende keine Chance haben wird. Zwar wird Brittens verstrickter Schmerzensmann aus Mangel an Beweisen freigesprochen, doch für die...
