Stimmung und Bedeutung
Als den «eigentlichen Begründer des Kunstlieds in Frankreich» hat Maurice Ravel einmal Charles Gounod bezeichnet. «Reclams Liedführer» hakt ihn in einem Halbsatz ab – Grund genug also, die neueste CD zu begrüßen, die der Bariton Tassis Christoyannis jetzt in Zusammenarbeit mit der Fondation Palazzetto Bru Zane dem Liedschaffen des in Deutschland stets unterbewerteten Komponisten widmet. Gut 150 mélodies hat Gounod zwischen 1839 und 1893 geschrieben, darunter eine erkleckliche Anzahl auf englische und italienische Texte.
Christoyannis’ repräsentative Auswahl, die die ganze Bandbreite dieses Œuvres berücksichtigt, umfasst 24 Stücke – von schlichten, anspruchslosen Chansons über strophische Romanzen bis hin zu Liedern, die sich durchaus mit denen seiner Nachfolger Fauré und Debussy messen können. Charakteristisch für Gounod sind die Dominanz des Wortes und die Flexibilität der Artikulation, mit der er sich von den traditionellen Salon-Romanzen, aber ebenso von Berlioz abhebt.
Drei Parallelvertonungen von Gedichten Théophile Gautiers, die sich auch in Berlioz’ bekanntem Zyklus «Les nuits d’été» finden – darunter das von düsterem Pathos erfüllte «Chanson du pêcheur» («Ma belle amie ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 40
von Uwe Schweikert
Der 19. August 1945 war für Leo Borchard ein besonderes Datum. Und das lag nicht nur daran, dass er an diesem Tag im Titania-Palast an der Spitze «seiner» Berliner Philharmoniker stand, sondern, weit mehr noch, am Programm des Konzertabends. Vor der Pause dirigierte Borchard Beethovens Erste und Strauss’ «Don Juan», im zweiten Teil lag die Partitur eines seiner...
Um halb zehn kommen die Jagdflieger. Zeit für den Mörike-Moment: «Über das Haupt stürzt dir krachend das Himmelsgewölb’». Minutenlang ist das große Festspielhaus zu Salzburg erfüllt vom Dröhnen der Maschinen, vom Geräusch einschlagender Bomben, von undefinierbarem Geschrei. Es ist das pure Grauen des Kriegs, das sich hier, in elektronisch verstärkten Tönen und...
Na bitte, geht doch! Zwar nicht auf dem Hügel, wo es nach wie vor nur den zehn kanonisierten Musikdramen Wagners gilt. Auch nicht im frisch restaurierten Markgräflichen Opernhaus, dessen Nutzung der Denkmalschutz strikt reglementiert. Sondern in einem als Kulturbühne wiederbelebten alten Kinosaal («Reichshof») ein paar Schritte neben dem alten Schloss im Zentrum...
