Märchenstunde
Um halb zehn kommen die Jagdflieger. Zeit für den Mörike-Moment: «Über das Haupt stürzt dir krachend das Himmelsgewölb’». Minutenlang ist das große Festspielhaus zu Salzburg erfüllt vom Dröhnen der Maschinen, vom Geräusch einschlagender Bomben, von undefinierbarem Geschrei. Es ist das pure Grauen des Kriegs, das sich hier, in elektronisch verstärkten Tönen und (über eine eigens dafür installierte Videowand) rennenden Bildern, ausbreitet und all jenen, die glaubten, die Welt sei vielleicht doch nicht mehr als ein lustiger Zirkus, tiefe Angstfurchen auf die Stirn zeichnet.
Aber hat das alles auch etwas mit der «deutschen» respektive «großen» Oper zu tun, die hier aufgeführt wird?
Ja, sagt Lydia Steier, die erstmals in Salzburg inszeniert und sich für ihr Debüt gleich das dritte große Rätselwerk der Kultur ausgesucht hat, als das Peter von Matt Mozarts «Zauberflöte» einmal bezeichnet hat, neben Shakespeares «Hamlet» und Leonardo da Vincis «Mona Lisa». Ein Werk, das durch die Rezeptionsgeschichte des Festivals nicht eben leichtgängig wirkt, angesichts von 17 Inszenierungen in den vergangenen 90 Jahren.
Was tun? Zu neuen Ufern streben. Steier und ihr Team erzählen die «Zauberflöte» ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 7
von Jürgen Otten
Plácido Domingo ist ein gläubiger Mensch, vor jedem Auftritt betet er zur Heiligen Cäcilia, Schutzpatronin der Musik. Bisher hat sich das gut bewährt, und so war es auch an jenem Tag Ende Juli, an dem Domingo – zuletzt 2000 als Siegmund zu Gast in Bayreuth – erneut bei den Wagner-Festspielen debütiert, diesmal als Dirigent der «Walküre».
Die Anzahl der Sänger,...
Ja, diesem Anfang wohnt ein Zauber inne. Kraftvoll, zugleich behutsam, kurz: raumöffnend die ersten Akkorde der «Zauberflöten»-Ouvertüre. Hier vibratolose Streicher, dort schmetternde Naturtrompeten, deren differenziertes Spiel nicht eine Sekunde die Balance gefährdet. Und kaum hat das fugenähnliche Allegro begonnen, bringt Yannick Nézet-Séguin das Orchester zum...
Aix
Die Anziehungskraft der sommerlichen Festspiele in Aix-en-Provence ist ungebrochen. Rund 85 000 Besucher werden inzwischen pro Saison gezählt. Das Interesse gilt nicht nur den Opernaufführungen, sondern auch öffentlichen Proben oder den Konzerten der seit 20 Jahren bestehenden Akademie für den künstlerischen Nachwuchs. Und dem Genius loci sowieso – jenem...
