Stimmfutter für Fortgeschrittene
Obwohl sie nicht wirklich ein Repertoirestück geworden ist wie «Norma» oder «La sonnambula», gibt es von Bellinis (nicht auf Shakespeare, sondern auf Matteo Bandellos Novelle zurückgreifender) Romeo-und-Julia-Version «I Capuleti e i Montecchi» nicht weniger als 20 Aufnahmen. Bei den meisten handelt es sich um Live-Mitschnitte, der letzte (mit Anna Netrebko und Elina Garanca) kam vor sechs Jahren bei der Deutschen Grammophon heraus. Um auf dem Markt mit einer weiteren Veröffentlichung bestehen zu können, muss man etwas Besonderes und Ausgefallenes bieten.
Dem Label Glossa ist das nun mit einer Produktion gelungen, die den großen Elegiker in neuem Licht erscheinen lässt. Fabio Biondi und sein auf Musik des Settecento und historische Aufführungspraxis spezialisiertes Ensemble Europa Galante präsentieren uns eine Lesart, die den Musikdramatiker in den Vordergrund rückt, teilweise auf Kosten der ausschweifenden melancholischen Melodienseligkeit, die man oft mit Bellini verbindet.
Schon in der Ouvertüre stieben die Funken. Dann wird man in eine spannende Aktion hineingerissen, überhört die Konventionalität mancher Nummern, die auch der Eile zuzuschreiben ist, in der Bellini dieses für ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Ekkehard Pluta
Hatte sie schon etwas geahnt? Die Gegenwart des Todes gespürt? Als Stella Doufexis im Mai 2011 Hector Berlioz’ sonnenbronzene Orchesterlieder «Les nuits d’été» aufnahm, stand sie mitten im Leben. Doch aus dem ranken Körper strömten Töne von so tief empfundener, herbsüßer Melancholie, dass einem beim Wiederhören Tränen in die Augen schießen. Jetzt, nachdem sie gehen...
Erst 1999, mehr als drei Jahrzehnte nach ihrer Uraufführung, fand Astor Piazzollas «María de Buenos Aires» den Weg auf eine deutsche Bühne. Katja Czellniks Kieler Inszenierung (siehe OW 12/1999) galt als durchaus exemplarisch. Diesen Rang dürfte ihr die von Andreas Kriegenburg verantwortete Bremer Produktion des Werks nun streitig machen. Denn sie hat, was...
Hereinspaziert, hereinspaziert! Es ist schwer was los im Trierer Dreispartenhaus. Karl M. Sibelius, der neue Intendant, macht mächtig Dampf. Allein das Musiktheater stemmte zwischen Saisonauftakt und Jahresende fünf Premieren. Zuletzt war der Schauspieler, Regisseur und Kulturmanager, der nun in der Römerstadt alles anders machen will als sein Vorgänger Gerhard...
