Sinnliche Theorie
Der Mannheimer Literatur- und Medienwissenschaftler Jochen Hörisch hat ein Buch geschrieben, das das Richard-Wagner-Jubel-Jahr 2013 geziert hätte. Indirekt entlarvt es im Nachhinein viele der kalkuliert zum 200. Geburtstag entstandenen Publikationen als Schnellschüsse, als muskelschlaffe biografische Klimmzüge: Wagners Frauen, Wagner als Revoluzzer, Wagner «Mit den Augen seiner Hunde betrachtet». Eines ließen diese Bücher oft außer Acht: das Werk, die Musik. Insofern wäre es wünschenswert, wenn Hörischs Halbtausendseiter «Weibes Wonne und Wert.
Richard Wagners Theorie-Theater» Beachtung fände. Es ist eine gedankenreiche Publikation eines durchaus Streitbaren. Eben dieses Temperament des Autors macht die erkenntnisreiche Arbeit lesenswert. Am Anfang steht Hörischs Faszination für einen Künstler, der es uns ermöglicht, «ein völlig neues Verhältnis zu den Rätseln des Daseins zu bekommen».
In Abwandlung des Mark Twain zugeschriebenen Bonmots «Wagners Musik ist besser, als sie klingt», befindet Hörisch: «Wagners Texte sind klüger, als sie klingen.» Ein Feld also für den Literaturwissenschaftler. Hörischs These ist, dass Wagner in seinen Werken «entschiedener noch als zuvor Schiller und ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Götz Thieme
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