Kräuseln und Tosen

Cornelius Meister und Christof Loy gehen am Theater an der Wien Brittens «Peter Grimes» auf den Grund

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Die Gedanken sind frei. Sie fliehen, wie man weiß, vorbei wie nächtliche Schatten. Und so darf man wohl entschuldigen, dass uns während der Aufführung von Brittens «Peter Grimes» im Theater an der Wien ausgerechnet Karl Valentin in den Sinn kommt. Der bemerkte einmal hintersinnig: «Heute besuche ich mich selbst. Ich bin schon neugierig, ob ich zu Hause bin ...

» Wir fragen uns: Wie hätte Peter Grimes reagiert, wenn der sich selbst die Türe geöffnet hätte? Wäre er erschreckt davongerannt? Hätte er sich akzeptiert? Denn mitten durch Grimes läuft eine Mauer, die ihn daran hindert, den anderen Teil seiner Seele aufzusuchen. Diesen anderen Teil, zu dem auch Benjamin Britten sich 1945, zur Uraufführungszeit des Werks, nur mittelbar bekennen mochte.

In seiner Wiener Inszenierung entschloss Christof Loy sich zur Eindeutigkeit: Klar, Peter Grimes sei schwul. Um dies zu etikettieren, ist Grimes’ Gehilfe John kein Knabe mehr, sondern ein junger Mann (der Tänzer Gieorgij Puchalski), ein bisschen wie ein älterer Bruder des Tadzio aus «Tod in Venedig». Auf jeden Fall erotischer Partner, nicht mögliches Opfer eines außer Kontrolle geratenen Päderasten (auch wenn er am Schluss wie sein Vorgänger ...

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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard Persché

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