So groß der Schmerz

Ehrenfellner: Kain und Abel
NORDHAUSEN | THEATER

Opernwelt - Logo

In der Bibel ist die Geschichte von Kain und Abel schnell erzählt. Ein paar Verse. Nicht mehr. Viele Fragen bleiben. Warum wird das eine Opfer angenommen? Warum das andere verschmäht? Warum verliert das Buch der Bücher kein einziges Wort über das Elternpaar Adam und Eva? Wie kommt es zu dem Brudermord? Und was hat es eigentlich mit dem Kainsmal auf sich? Wie sieht es aus?

Auch der Operneinakter von Christoph Ehrenfellner, als Teil eines Doppelabend am Theater Nordhausen uraufgeführt, findet nicht auf alle Fragen eine Antwort.

Dabei haben die beiden Librettisten, Intendant Daniel Klajner und seine langjährige Chefdramaturgin Anja Eisner, das alttestamentarische Geschehen auf den Boden geholt und die Geschichte insofern von vornherein vermenschlicht, als dass sich hier der Vater der beiden Brüder eine göttliche Allmacht anmaßt. Er ist es, der über die Opfergaben seiner Söhne urteilt und durch seine Entscheidung einen Familienkonflikt auslöst, der in seiner Konsequenz etwas von einer antiken Tragödie hat.

«Wehe» heißt es denn gleich zu Anfang, und Anna Danik verleiht ihrer Klage eine Wucht, als wollte sie das Theater in seinen Grundfesten erschüttern, so groß ist der Schmerz der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
«Robot le diable»

Fast in Sichtweite des Hafens von Barcelona, über den eine Gondelbahn von halbem Eiffelturm-Imitat zu halbem Eiffelturm-Imitat führt, befindet sich ein schönes altes, dickwandiges Gebäude, in dem die Sociedad General de Autores y Editores (SGAE) residiert. In Zusammenarbeit von SGAE und Òpera de Butxaca i Nova Creació konnte man hier Ende Oktober Teil einer...

Am Abgrund

Auch fünfzig Jahre nach Patrice Chéreaus grunderschütterndem Bayreuther «Ring» vermag Wagners Tetralogie noch zu verstören, zumal, wenn sie so illusionslos nüchtern in einer Ästhetik des Hässlichen daherkommt, wie jetzt in Stephan Kimmigs «Rheingold»-Neuinszenierung. Kimmig entzaubert die Szene, rückt den Figuren gleichsam mit dem psychischen Nacktscanner zu Leibe...

Der Tod wartet auf der anderen Seite der Tür

Nichts fürchtet der Mensch mehr als das Ende. Den Tod. Dabei gäbe es einigen Grund zum Trost. Denn bei Lichte betrachtet, hat der Tod mit unserem Leben nur sehr wenig zu tun. Solange man existiert, kann der Tod nicht im gleichen Raum sein, und vice versa ist dort, wo der Tod wohnt, kein Platz mehr für Lebende. Oder wie es Ludwig Wittgenstein so schön lakonisch und...