So groß der Schmerz

Ehrenfellner: Kain und Abel
NORDHAUSEN | THEATER

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In der Bibel ist die Geschichte von Kain und Abel schnell erzählt. Ein paar Verse. Nicht mehr. Viele Fragen bleiben. Warum wird das eine Opfer angenommen? Warum das andere verschmäht? Warum verliert das Buch der Bücher kein einziges Wort über das Elternpaar Adam und Eva? Wie kommt es zu dem Brudermord? Und was hat es eigentlich mit dem Kainsmal auf sich? Wie sieht es aus?

Auch der Operneinakter von Christoph Ehrenfellner, als Teil eines Doppelabend am Theater Nordhausen uraufgeführt, findet nicht auf alle Fragen eine Antwort.

Dabei haben die beiden Librettisten, Intendant Daniel Klajner und seine langjährige Chefdramaturgin Anja Eisner, das alttestamentarische Geschehen auf den Boden geholt und die Geschichte insofern von vornherein vermenschlicht, als dass sich hier der Vater der beiden Brüder eine göttliche Allmacht anmaßt. Er ist es, der über die Opfergaben seiner Söhne urteilt und durch seine Entscheidung einen Familienkonflikt auslöst, der in seiner Konsequenz etwas von einer antiken Tragödie hat.

«Wehe» heißt es denn gleich zu Anfang, und Anna Danik verleiht ihrer Klage eine Wucht, als wollte sie das Theater in seinen Grundfesten erschüttern, so groß ist der Schmerz der ...

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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Hartmut Regitz

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