Der Tod wartet auf der anderen Seite der Tür

Julian Prégardien und Martin Helmchen mit einer phänomenalen Deutung von Schuberts «Schwanengesang»

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Nichts fürchtet der Mensch mehr als das Ende. Den Tod. Dabei gäbe es einigen Grund zum Trost. Denn bei Lichte betrachtet, hat der Tod mit unserem Leben nur sehr wenig zu tun. Solange man existiert, kann der Tod nicht im gleichen Raum sein, und vice versa ist dort, wo der Tod wohnt, kein Platz mehr für Lebende. Oder wie es Ludwig Wittgenstein so schön lakonisch und zugleich wissenschaftlich fundiert formuliert hat: «Der Tod ist kein Ereignis des Lebens.»

Was Wittgenstein vergaß zu sagen: Aber er wartet auf der anderen Seite der Tür.

Franz Schubert hat diese Tür nicht nur einmal weit aufgestoßen. Er kannte den finsteren Gesellen, der da drüben hämisch grinsend seiner harrte. Und er schrieb Lied um Lied gegen ihn, dabei ängstlich bibbernd, es könnte ihn demnächst erwischen. Auch in seinem «Schwanengesang» D 957 geht der Tod (und nicht nur der Tod der Liebe) umher, vor allem in jenem Lied, das uns noch heute Schauder über den Rücken treibt, wenn es gut gesungen wird: «Der Doppelgänger» auf Heinrich Heine. Ein Selbstbildnis in h-moll, der Tonart des Todes auch bei anderen Komponisten (Verdi, Puccini etc.), das darüber hinaus Bild einer von Liebe verlassenen Welt ist.  

Jeder Akkord ein ...

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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Jürgen Otten

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