Schamlos schön
Der Psychokrimi «Die tote Stadt» machte Erich Wolfgang Korngold früh weltberühmt. In seiner im Dezember 1920 parallel in Hamburg und Köln aus der Taufe gehobenen Oper balancierte das 23 Jahre junge Wiener Wunderkind traumwandlerisch zwischen expressionistischer Orchesterwucht und süßlich satten Vokallinien.
Doch es folgte nicht der kühne Aufbruch in die Moderne, vielmehr die Erfindung hochkarätiger Filmmusik, die Korngold im amerikanischen Exil zwei Oscars einbrachte – und die Auseinandersetzung mit dem Operettengenre: Noch in den 1920er-Jahren bearbeitete und dirigierte er im Theater an der Wien Heiteres aller Arten, oft in Zusammenarbeit mit Max Reinhardt, der ihm kurz nach der Machtergreifung der Nazis dann den Fluchtweg in die USA ebnete. 1942 realisierten beide am Broadway ihre gemeinsame Neufassung der «Fledermaus». Auch eine amerikanische Originaloperette sollte es nun sein.
Der aus Ungarn stammende Musikproduzent Paul Gordon, der mit dem Regisseur und dem Komponisten das Exilanten-Schicksal teilte, konnte Korngold zu «The Silent Serenade» animieren, eine Uraufführung der Komödie mit Musik in der Neuen Welt jedoch nie durchsetzen. Erst drei Jahre nach der Wiener ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Peter Krause
Der Urknall gebiert erdfernen Nebel, aus dem Sterne und Galaxien in den Raum schießen. Die Videoprojektion während des Vorspiels zu Richard Wagners «Tristan und Isolde» am Nationaltheater Mannheim scheint die Tragödie des liebenden Paares zu einem kosmischen Weltendrama zu machen. Doch als sich der Vorhang hebt, landet man nach diesem Sehnsuchtsflug durchs All in...
Herr Erath, träumen Sie manchmal in Farbe?
(lacht) Ich glaube, eher selten. Aber ich träume generell viel. Und Oper ist für mich eigentlich immer eine Form von Traumerzählung.
Was findet in dieser Traumerzählung statt?
Sehr viel, einfach schon durch die Setzung: Was Oper genuin ausmacht, sprich: das gesungene (und eben nicht gesprochene) Wort, ist die Tatsache,...
Vergessen Sie für einen Moment Mozart und seinen «Idomeneo», der die deprimierende Katharsis des originalen Librettos ins Gegenteil verkehrt. Der Plot ist zwar identisch: Kretas König Idomeneo verspricht Neptun für die Errettung aus einem Seesturm, den ersten Menschen zu töten, der ihm an Land begegnet, und stößt dann fatalerweise auf den eigenen Sohn. Bei Mozart...
