Ganz nah am Drama
Dem (Ver)fall des Otello sieht man von ganz nah zu. Die Opernbühne ist nach vorne gerückt, endet direkt vor der ersten Publikumsreihe. Der Orchestergraben, abgedeckt, wird zur Spielfläche. Die Musiker sitzen – von den Spielenden getrennt durch eine Gaze – im Hintergrund, in goldbraunem Licht schemenhaft sichtbar. Auch der Chor ist nicht weit entfernt: Er steht im ersten Rang und erschafft gemeinsam mit Solisten und dem Orchester einen Dolby-Surround-Strudel, in den einen Verdis packende, atmosphärische Musik mitreißt.
Die karge Bühne von Christian Robert Müller ist meisterhaft. Nicht nur der durch die optische Kombination von Kulisse und Orchester entstehende Eindruck eines – im wahrsten Sinne des Wortes – Gesamtkunstwerkes, nein, auch die mannigfaltigen Spielmöglichkeiten, die die Bühne bietet, sind großartig erdacht: Schutt, martialisch anmutende Gerüste, ein Graben, ein abgestorbener Baum. Man sieht sofort: Hier ist alles tot, hier hat der Krieg gewütet. Auf der Gaze, die das Orchester vom Rest der Bühne trennt, werden Projektionen sichtbar: das ausdruckslose, in Trauer versunkene Gesicht Otellos zum Beispiel, aber die meiste Zeit das Meer. Mal ruhig, mal mit tosenden Wellen. ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Susanne Westenfelder
Bei seiner Premiere am 8. Dezember 1718 an der Pariser Académie royale de musique fiel das Werk durch. André Cardinal Destouches’ «Sémiramis» wurde nach nur einem Monat abgesetzt – und erst dreihundert Jahre später beim Festival d’Ambronay erneut aufgeführt. Die Oper über die sagenhafte babylonische Königin scheint das Pariser Publikum, dessen Geschmack damals mehr...
Über Ruanda weiß man – wie über viele afrikanische Länder – zu wenig. Das, was man über Ruanda weiß, beschränkt sich in der Regel auf die Thematik des Genozids an den Tutsi, auf die Kolonialzeit. Die Installation «Rwandan Records» möchte – so verrät der Ankündigungstext – ein junges Ruanda zeigen, möchte den dort lebenden Menschen eine Stimme geben.
Hörbar gemacht...
Programmatisch war die Idee nicht sonderlich kühn – «Eugen Onegin» kennt in Russland jedes Kind. Personell hingegen schon. Doch am Ende erwies sich die Entscheidung der Oper Jekaterinburg, Dmitry Volkostrelov für eine Neuinszenierung von Tschaikowskys «Lyrischen Szenen» zu verpflichten, als sehr gute Wahl. Volkostrelov ist eine außergewöhnliche Figur im Kulturleben...
