Risse in Mozarts Balken
«Die Rezitative sind zwar musikalisch nicht außergewöhnlich, literarisch sind sie aber von erster Güte. Auch nur ein Wort zu streichen, wäre ein barbarischer Akt. Die musikalischen Schwächen können durch einen vollendeten Vortrag wettgemacht oder durch ‹Retuschen› behoben werden. Die erstere – eine Notwendigkeit – ist Aufgabe der Sänger, die zweite – eine Möglichkeit – ist Sache des Dirigenten.»
Sieben Aussagen, die seiner Meinung nach wenig oder gar keinen Sinn machen, hat René Jacobs ausgewählt, um sie in einem ausführlichen Booklet-Text zu widerlegen.
Die Schwierigkeiten von Mozarts «La clemenza di Tito» werden hier gebündelt und erfreulich offen diskutiert. Der oben zitierte Passus macht deutlich, dass Jacobs bei seiner Neueinspielung des «Titus» keine Note unter den Tisch fallen lässt. Darin liegt ein erster Unterschied zu der im Dezember 1955 entstandenen Produktion unter Joseph Keilberth, die nun bei Capriccio erschienen ist; dort wurden alle Rezitative gestrichen (mitsamt des Accompagnato-Rezitativs «Che orror!») und durch Zwischentexte von Helmut Reinold ersetzt.
Ein Vergleich beider Aufnahmen ist heikel, vielleicht noch heikler als im Fall der «Zauberflöte», da sich ...
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