«Regie geht bei den Sängern los»

Tatjana Gürbaca über politisches und postdramatisches Musiktheater, die Rolle guter Dramaturgen, die produktive Kraft von Um- und Nebenwegen, Intuition und Methode auf der Probe und das Glück der Teamarbeit

Sie hat Mut. Fährt schon mal volles Risiko. Befragt jedes Stück radikal aufs Hier und Heute. In zwingenden, oft surrealen Bildern. Um sich und uns zu überraschen. Das ist Tatjana Gürbaca, der «Regisseurin des Jahres», immer wieder gelungen, seit sie im Jahr 2000 beim Grazer «Ring Award» reüssierte. In der vergangenen Saison mit einem schaurig-schönen, unter Sonnenblumen delirierenden «Macbeth» in Mainz, wo sie seit 2011 als Operndirektorin die Musiktheatersparte leitet. Oder mit einer beklemmenden «Rigoletto»-Tischgesellschaft in Zürich.

Vor allem aber mit ihrer herzblutrot und kaltweiß leuchtenden «Parsifal»-Deutung in Antwerpen, die das Bühnenweihfestspiel auf menschliches Maß zurückführt – es ist die «Aufführung des Jahres».

 

Frau Gürbaca, Musiktheater hat für Sie nur einen Sinn, wenn es sich radikal auf die Gegenwart bezieht. Was heißt das konkret?
Oper ist die komplexeste aller Künste. In ihr spielen so viele Ebenen zusammen wie in keiner anderen Kunstgattung. Musik, Text, Raum, Licht, Körper – Oper ist der maßlose Versuch, die unerschöpfliche, widersprüchliche, rätselhafte, wunderbare Vielfalt des Lebens spielerisch zu reflektieren. In vierhundert Jahren Operngeschichte haben ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Aufführung und Regie des Jahres, Seite 28
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Allmächtige Ohnmacht

Wagner und Schönberg? Es gibt Ambivalenzen, die vernachlässigt worden sind – zum Beispiel im «Lohengrin». Wagners Oper und «Moses und Aron» scheinen ideologisch entgegengesetzte Pole einzunehmen, lassen sich aber spiegelbildlich aufeinander beziehen. In beiden Fällen gibt es ein verunsichertes Volk und einen Helden, der den Weg weisen soll, aber durch ein Verbot...

Das Urteil von 50 Kritikern

Kategorien:

1. Uraufführung -- 2. Wiederentdeckung -- 3. Aufführung -- 4. Regie -- 5. Bühne -- 6. Kostüme -- 7. Dirigent(in) -- 8. Sänger(innen) -- 9. Nachwuchskünstler(innen) -- 10. Opernhaus -- 11. Orchester -- 12. Chor -- 13. Ärgernis -- 14. Buch -- 15. CD/DVD

 

John Allison
London
Opera, Sunday Telegraph

 

1.    Stockhausens «Mittwoch aus Licht» in Birmingham
2.   ...

«Ich mag eigentlich keine Tenöre»

Herr Bostridge, Sie haben sich intensiv mit den Werken beschäftigt, die Benjamin Britten für den Tenor Peter Pears geschrieben hat. Was erzählen sie über Brittens Beziehung zu Pears?
Sie erzählen mehr als genug über Leidenschaft, Schuld und Unbehagen. Man hört, finde ich, dass Britten sich anfangs mit seiner Sexualität nicht ganz wohlfühlte. Er hätte die...