Flaschenpost an die Zukunft
Wagner hielt nichts von Verdi, kannte seine Werke kaum. Verdi dagegen hat sich intensiv mit dem deutschen Kollegen beschäftigt. Zwar ärgerte ihn der Vorwurf, er «gebärde sich wie Wagner», was Bizet nach einer Aufführung von «Don Carlos» behauptete. Aber in seinen beiden letzten Opern kann man die bewusste Auseinandersetzung hören. Otello und Desdemona sind in ihrem Liebesduett im ersten Akt sowohl Siegmund und Sieglinde als auch Tristan und Isolde nahe.
Und im «Falstaff» spielt Verdi mit Zitaten aus den «Meistersingern» und «Parsifal», als wolle er in seinem letzten Werk Wagners finalem Wurf etwas entgegensetzen – dem «Bühnenweihfestspiel» sein eigenes, sinnenfrohes Weltbild.
«Er ist total verrückt!!!»
Was Wagner von Verdi gehalten hat, lässt sich mit einem Wort sagen: nichts. Was er von ihm überhaupt kannte, wissen wir nicht – vermutlich nicht viel. Der einzige überlieferte Besuch einer Verdi-Aufführung galt der «Messa da Requiem» am 2. November 1875 in Wien, «worüber» – so der vielsagende Eintrag in Cosimas Tagebuch – «nicht zu sprechen entschieden das beste ist». Verdi dagegen hat seit dem spektakulären Fiasko des Pariser «Tannhäuser» den Weg seines Konkurrenten aufmerksam ...
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Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Verdi 200, Seite 48
von Uwe Schweikert
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