REFLEKTION, RESONANZ, RESÜMEE
ICH BIN SEHR DANKBAR
Laura Berman
Staatsoper Hannover
Seit ich 1983 nach Deutschland kam, lese ich die «Opernwelt». (Na ja, ich habe damals mit dem Magazin quasi Deutsch lesen gelernt!) Für Opernmacher:innen ist die Zeitschrift extrem wertvoll – zum Beispiel, um über die Arbeit von Kolleg:innen weit und breit gut informiert zu bleiben. Im enthusiastischen und manchmal auch sehr heftigen Austausch unter Profis, aber auch unter Laien, spielt die «Opernwelt» immer eine tragende Rolle.
In Zeiten, in denen die Feuilletons der täglich oder wöchentlich erscheinenden Printmedien heftig an Qualität und Strahlkraft einbüßen – oder manchmal sogar ganz verschwinden – nimmt die Bedeutung des seriösen Journalismus und der Kritik, wie von der «Opernwelt» betrieben, extrem zu. Ich bin sehr dankbar, dass sie noch da ist und freue mich auf die nächsten 750 Ausgaben! Herzlichen Glückwünsch! ___ Laura Berman ist seit der Spielzeit 2019/20 Intendantin der Staatsoper Hannover
DIE LEKTÜRE MACHT LUST
Christoph Dittrich
Theater Chemnitz
Oper ist Begegnung, ist Kommunikation zwischen Bühne und Zuschauersaal. Seitens des Publikums ist diese Kommunikation jedoch nonverbal, allein der Applaus spiegelt ein ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: 750, Seite 69
von
Einen so prosaischen, beachtlich unmusikalischen Einstieg in Giuseppe Verdis Ägyptenoper «Aida» wie jetzt am Theater Chemnitz hat man noch nicht erlebt: Verdis Vorspiel schweigt, wenn der Vorhang sich öffnet und den Blick aufs pralle Bühnenleben freigibt. Sind wir im zweiten Bild von Puccinis «Bohème», im Menschentrubel des Pariser Quartier Latin? Bunt gewandete,...
Ein Mann. Er schläft. Liegt, friedlich und scheinbar tiefenentspannt, in Morpheus’ Armen und träumt sich seine Welt zurecht, während aus dem Graben heraus, in höchstmöglicher Transparenz und Trennschärfe, das Vorspiel dieser romantischen Oper an ihm vorübergleitet. Je mehr sich die Musik in einen rauschhaften Zustand hineinsteigert, umso stärker wird auch der auf...
Wenige (W)Orte sind derart hoch und vielfältig semantisch orchestriert, stehen für so heterogene, disparate Deutungen, haben so grundverschiedene künstlerische Ausprägungen erfahren wie der Topos «Babylon». Wobei vieles hochtönendes Bildungsinventar bleibt. Eine leibhaftige Erfahrung ist erinnerlich: Im Bruegel-Saal des Wiener Kunsthistorischen Museums trafen sich...
