EWIGES MEER
Eine Mutter tötet ihre Kinder, kocht deren Herzen aus und setzt sie ihrem Ehemann zum Fraß vor. Das Musiktheater «Gudruns Lied» des isländischen Komponisten Haukur Tómasson basiert auf der altisländischen Version der Nibelungensage aus der Edda-Dichtung. In einer Bühnenfassung der Regisseurin Elisabeth Stöppler erlebte das 1996 uraufgeführte, mit dem renommierten Nordic Council Music Prize ausgezeichnete Werk am Staatstheater Mainz seine Deutsche Erstaufführung.
Die Bühne gleicht einem Hochsicherheitsgefängnis.
Der in kalt-weißes Licht getauchte Gerichtssaal, den Bühnenbildner Valentin Köhler entworfen hat, erinnert an die Stammheimer Terroristenprozesse. Dazu passt, dass die Frau, die im eisernen Käfig hinter dem Vernehmungsstand kauert, der RAF-Kämpferin Gudrun Ensslin mit ihrer langen Ponyfrisur wie aus dem Gesicht geschnitten zu sein scheint. Ein Déjà-vu, das sogleich die Frage aufwirft, wie die Inszenierung das wohl zusammenbringt: die Terrorwelle im Deutschen Herbst 1977 und die blutigen Gewaltorgien der mittelalterlichen Nibelungensage. Doch die Regisseurin lässt diese Spur schnell im Sande verlaufen. Beide Frauen tragen denselben Namen und Haarschnitt, weitere ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Silvia Adler
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten P = Premiere UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
Aachen Theater Aachen
Tel. 0241/478 42 44 theaterkasse@mail.aachen.de www.theateraachen.de
- Britten, A Midsummer Night’s Dream: 4., 15., 26., 30. - Puccini, Turandot: 5., 15.
- Sondheim, Sweeney Todd: 11., 19., 29.
- Bowie,...
Wie schwer es ist, über einen Komponisten zu schreiben, der selbst so sprachmächtig ist, dass man staunend nicht nur vor dem Werk, sondern auch vor den Worten ihres Schöpfers steht, das hat sich auch im Fall von Wolfgang Rihm wieder schmerzvoll bewahrheitet. Wie man ihm vielleicht näher kommt, ohne ihm zwanghaft nahe sein zu wollen – das wiederum beweist Lotte...
Einen so prosaischen, beachtlich unmusikalischen Einstieg in Giuseppe Verdis Ägyptenoper «Aida» wie jetzt am Theater Chemnitz hat man noch nicht erlebt: Verdis Vorspiel schweigt, wenn der Vorhang sich öffnet und den Blick aufs pralle Bühnenleben freigibt. Sind wir im zweiten Bild von Puccinis «Bohème», im Menschentrubel des Pariser Quartier Latin? Bunt gewandete,...
