Welch ein seltsam Wunder!
Auf der extrem langgezogenen Bühne des Salzburger Festspielhauses sind allerlei Geländer montiert; zur Rechten ein wenig in modernem (oder doch georgsbekreuzten?) Rot-Weiß wegironisiert. Andere dieser Vorrichtungen, über die anfangs auch mehrheitlich hinweggestiegen werden muss, grenzen eine nachempfundene Bootseinfahrtsmöglichkeit ab. Ein bewegliches Bühnenmodul (das Schiff) kommt mächtig von links. Offenbar der Hafen von Antwerpen. Weiter oben und zur Linken markieren die Gatter beispielsweise Aussichtspunkte.
Alles farblich recht kühl, eher weniger sagenumwoben (dafür im zweiten und dritten Aufzug immer ominöser von Kunstnebel umwölkt. Die «Krise einer Institution» wird nicht zum ersten Mal durch Bühnendunst-Crescendi bebildert).
Noch während des Vorspiels, das seine Kraft aus der Quelle der charismatischen Grundtonart-Ausweichung von A-Dur zur Parallele fis-Moll schöpft, stellt das Regieteam aus Jossi Wieler, Anna Viebrock und Sergio Morabito die zwei weiblichen Hauptfiguren Elsa von Brabant und Ortrud auf die Bühne. Von irgendetwas amüsiert, lugt Elsa hoch zur Burg. Dann treibt es sie an den rechten Bühnenrand. Hier fischt sie offenbar den Skalp ihres vermeintlich toten ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Arno Lücker und Gerhard R. Koch
Einen so prosaischen, beachtlich unmusikalischen Einstieg in Giuseppe Verdis Ägyptenoper «Aida» wie jetzt am Theater Chemnitz hat man noch nicht erlebt: Verdis Vorspiel schweigt, wenn der Vorhang sich öffnet und den Blick aufs pralle Bühnenleben freigibt. Sind wir im zweiten Bild von Puccinis «Bohème», im Menschentrubel des Pariser Quartier Latin? Bunt gewandete,...
Dass das Melodram «ein Genre von unerquicklichster Gemischtheit» sei (wie Richard Wagner anmerkte), «in welchem sich die Musik vom gesprochenen Worte spröde sondert, wie Öl und Wasser und eine Kunst die andere beeinträchtigt» (wie Eduard Hanslick ergänzte), war wohl einer von wenigen Punkten, über die sich der Zukunftsmusiker und sein rabiatester Kritiker hätten...
Mit seinen mehr als 400 Liedern gehört der Schweizer Othmar Schoeck zu den produktivsten musikalischen Lyrikern des 20. Jahrhunderts. Im Konzert begegnet man den originellen, stilistisch zwischen Spätromantik und Moderne vermittelnden Kompositionen höchst selten. Selbst eine 2017 erschienene Gesamtedition seines Liedœuvres auf zwölf CDs hat nichts daran geändert....
