(Re-)traumatisiert
Flackerndes Licht überzieht die schwitzenden Körper mit psychedelisch bunten Farben. Ausgelassene junge Menschen recken die Arme zum Himmel und tanzen sich in Ekstase. Doch es gibt keine Musik. Die Szene gleicht einem Handyvideo ohne Ton, das in Slow Motion abgespielt wird. Das Bild beginnt zu ruckeln, Sequenzen springen vor und zurück. Dann erlischt das Licht. Die Tanzfläche ist plötzlich wie ausradiert. Nur einzelne schwere Atemgeräusche sind zu hören. Ansonsten herrscht dröhnende Stille.
Karsten Wiegands Inszenierung von Chaya Czernowins Kammeroper «Pnima … ins Innere», einer Weiterentwicklung seiner Lesart 2008 in Weimar, findet ihren Ausgangspunkt in einem traumatischen Ereignis der jüngsten Gegenwart: dem von Hamas-Terroristen begangenen Massaker auf dem Supernova-Festival in der Negev-Wüste in Israel. Nach den Terrorangriffen vom 7. Oktober 2023 hat das Staatstheater Darmstadt kurzfristig sein Programm geändert und Czernowins Stück auf den Spielplan gesetzt. Mit der Premiere am Jahrestag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus wollte die Theaterleitung ein klares Zeichen gegen wachsenden Antisemitismus setzen. Das Publikum ist auf der Hinterbühne platziert und ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Silvio Adler
Die Musik, die ich suche, ist mit dem Raum geschrieben: Sie ist in keinem Raum gleich, sondern arbeitet mit ihm», schrieb Luigi Nono mitten in der Entstehung seines «Prometeo», der im September 1984 als einziges Werk der Biennale Musica in Venedig uraufgeführt werden sollte. Das historische Unternehmen war Ergebnis einer außergewöhnlichen kollektiven künstlerischen...
Brittens letzte Oper «Death in Venice» ist – wie seine Vorlage, Thomas Manns Novelle «Der Tod in Venedig» – ein Werk über das Sterben, es fragt nach der Würde oder der fehlenden Würde des Dahingehens. Ein Werk über das Vergreisen ist es jedoch keineswegs. Genau in diese Falle tappt Magdalena Fuchsberger mit ihrer Inszenierung am Theater Heidelberg. Der Dichter...
Als Charpentiers «David et Jonathas» im Jahr 1688 am Pariser Collège Louis-le-Grand uraufgeführt wurde, stand die Musik nicht allein für sich: Zwischen die fünf Akte schoben die Zöglinge der (als Lycée bis heute renommierten) Jesuitenschule eine lateinische Tragödie namens «Saül» über den ersten König Israels und sein verlorenes Kriegsglück im Kampf gegen die...
