No Sense
Brittens letzte Oper «Death in Venice» ist – wie seine Vorlage, Thomas Manns Novelle «Der Tod in Venedig» – ein Werk über das Sterben, es fragt nach der Würde oder der fehlenden Würde des Dahingehens. Ein Werk über das Vergreisen ist es jedoch keineswegs. Genau in diese Falle tappt Magdalena Fuchsberger mit ihrer Inszenierung am Theater Heidelberg. Der Dichter Aschenbach ist auf Monika Bieglers Bühne Insasse einer spießigen, auf Holzpfählen stehenden Altersklause mit braun-plüschiger Wohnzimmerecke, Mahagoni-Schrankwand samt eingelassenem Fernseher und Kochecke.
«Casa Rialto» könnte diese Seniorenresidenz des verarmten Dichters heißen. Venedig, zu dem ihn ein unheimlicher Reisender verführt, existiert ohnehin nur in seiner dementen Fantasie. So bevölkert sich die Wohnung mit lemurenhaften Gestalten – Hotelgäste, Angestellte, Gondolieri und Bewohner der imaginierten Lagunenstadt. Ein grünes, blaues und violettes Make-up trägt ihnen den passenden Verwesungs-Teint auf. Hier ist schon alles tot, da braucht es jene ausbrechende Cholera, die Aschenbach dahinraffen wird, erst gar nicht.
Seine Begegnung mit Tadzio, der Verkörperung klassisch-erotischer Knabenschönheit, ist anscheinend ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Bernd Künzig
Benjamin Brittens grandioser Opernerstling «Peter Grimes» gehört zu den wenigen Werken des modernen Musiktheaters, die Eingang ins Repertoire auch kleinerer Bühnen gefunden haben. Dabei stellt das Stück um den tragischen Outcast, der von den bigotten Bewohnern eines englischen Fischerdorfs in den Tod getrieben wird, allein schon aufgrund des groß -besetzten...
Es ist schon faszinierend, wie vernehmlich Fafner klingt, wenn er mal nicht in der Ecke liegt und pennt. In vorsichtigen, zugleich markanten Sekundschritten wandelt er übers düstere b-Moll-Feld des «Siegfried»-Vorspiels, leise grummelnd und doch klar bei Sinnen, überaus präsent und der Situation gewärtig, die 90 Minuten später todbringend aus dem Ruder laufen wird....
Wer die dritte Aufführung der neuen «Carmen» an der Met erlebte, bekam wahrscheinlich einen besseren Eindruck von den Intentionen der Regisseurin Carrie Cracknell und des Dirigenten Daniele Rustioni als zur Premiere: Piotr Beczała, der vorgesehene Don José, hatte die ersten beiden Aufführungen krankheitsbedingt verpasst. Glaubt man den Kritiken und einer...
