Hypnotisch

Charpentier: David et Jonathas an der Oper Nancy

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Als Charpentiers «David et Jonathas» im Jahr 1688 am Pariser Collège Louis-le-Grand uraufgeführt wurde, stand die Musik nicht allein für sich: Zwischen die fünf Akte schoben die Zöglinge der (als Lycée bis heute renommierten) Jesuitenschule eine lateinische Tragödie namens «Saül» über den ersten König Israels und sein verlorenes Kriegsglück im Kampf gegen die Philister ein.

Was zu Teilen erklärt, warum Charpentiers Tragédie biblique, komponiert ebenfalls auf das Libretto eines Jesuitenpaters, die dramatischen Möglichkeiten nicht vollständig ausschöpft, die der Stoff um die Rivalität zwischen Saul und David zum einen, die Freundschaft zwischen David und Sauls Sohn Jonathan zum anderen böte, eigentlich erst aus dem Tod Jonathans am Ende den echt theatralen Funken schlägt.

Statt der inzwischen verlorenen lateinischen Tragödie sind an der Opéra national de Lorraine in Nancy nun Zwischentexte von Wilfried N’Sondé zu hören. In den Mund gelegt hat sie der französische Autor kongolesischer Abstammung der Schauspielerin Hélène Patarot, die als «Reine des oubliés», als «Königin der Vergessenen», an all die Kriegstoten erinnern soll, die auch in der biblischen Vorlage des Stoffs höchstens am ...

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Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Michael Stallknecht

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