Pures Glück
In der rheinischen Mundart gibt es einen Spruch von enormer Weltgültigkeit, den man ins Hochdeutsche übersetzen muss, damit ihn auch Hessen und Schwaben verstehen. Er lautet (grammatisch schief, aber egal): Es gibt kein größeres Leid, als was man sich selbst antut.
In unserem Fall bezieht sich der Satz auf die neue Box mit Aufnahmen des vor 50 Jahren gestorbenen Dirigenten Sir John Barbirolli. Sie umfasst 109 CDs, mit denen man es auf knapp 130 Stunden Hörarbeit bringt. Über fünf Tage rund um die Uhr mit Barbirolli? Ja, unbedingt, denn es ist kein Leid, sondern Genuss.
Der 1899 in London geborene Barbirolli war einer der Giganten des 20. Jahrhunderts. Die New Yorker Philharmoniker wollten ihn 1942 als Chef behalten, er gab ihnen einen Korb. Und seine triumphalen Gastspiele bei den Berliner Philharmonikern mit den Mahler-Symphonien in den 1960er-Jahren ließen dort die Idee keimen, ihn häufiger einzuladen. Dazu kam es nicht, 1970 starb der Musiker. Lange hatte er dem Hallé Orchestra in Manchester in einer beidseitigen Liebesbeziehung vorgestanden.
Barbirolli war ein gründlicher Probierer, doch auch Augenblicksmusiker. Wer seine drei Aufnahmen von Mahlers Sechster vergleicht, staunt ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Wolfram Goertz
Metronome klicken und klacken gleich einer kakophonischen Fuge. Die jeden Klavierschüler nervenden Dinger lernen laufen, unter Wasser sogar, wo sie auf den grimmig dreinblickenden Herrn Beethoven treffen, der just hier unten, in den Tiefen des Rheins, der fernen Geliebten in diversen erotischen Unterwasserstellungen näherkommen darf, als es da oben auf Erden...
Wie alle italienischen Festivals, so hat auch Pesaro beschlossen, auf jeden Fall ein (wenngleich reduziertes) Programm anzubieten, mit einer Produktion im Teatro Rossini und verschiedenen Open-Air-Konzerten auf der Piazza del Popolo; dort wurde eine Bühne gebaut, die aufgrund der geltenden Hygieneauflagen 600 statt der üblichen 1000 Besuchern Platz bot. Im Teatro...
Wie oft müsste man leben, um aus dem Tod klug zu werden?» Der Schriftsteller und Philosoph Elias Canetti formulierte diese Frage in seinen zahlreichen Schriften über den Tod, mit dem er haderte, den er am liebsten abgeschafft hätte – «wenn es ginge». Allein, es geht nicht. Bislang. Man weiß nicht, ob Andriy Zholdak ähnlich wie Canetti dem Tod den Krieg erklärt...
