Im Freien
Bodo Ramelow war voll des Lobes: «Den Begriff Improvisation hat Rolf Hemke in den letzten Wochen neu definiert», resümierte Thüringens Ministerpräsident in seinem an den Intendanten des Kunstfestes Weimar gerichteten Grußwort am Schlusstag des sich von Ende August bis Mitte September erstreckenden Festivals. In der Tat: Hemke und sein Team trotzten den pandemiebedingten Widrigkeiten nicht nur wacker, sondern stellten ein ebenso mutiges wie umfangreiches Programm auf die Beine.
Zupass kam den Verantwortlichen der Umstand, dass bei beständigem Spätsommerwetter etliche Programmpunkte unter freiem Himmel stattfinden konnten – etwa der Musiktheater-Parcours, zu dem Dumbworld, das nordirische Künstlergespann Brian Irvine (Komponist) und John McIlduff (Regisseur), alle erkundungsfreudigen Passanten einlud. Sieben Kurzopern, keine länger als zehn Minuten, darunter zwei erst nach Einbruch der Dunkelheit zu besichtigende Video-Installationen, waren quer über die Altstadt verstreut zu erleben. Aus Lautsprechern erklangen in durchaus überzeugender Soundqualität die Einspielungen des RTÉ Concert Orchestra, während Gesangssolisten des Deutschen Nationaltheaters live ihre Kunst darboten. Camila ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Werner Kopfmüller
Wie oft müsste man leben, um aus dem Tod klug zu werden?» Der Schriftsteller und Philosoph Elias Canetti formulierte diese Frage in seinen zahlreichen Schriften über den Tod, mit dem er haderte, den er am liebsten abgeschafft hätte – «wenn es ginge». Allein, es geht nicht. Bislang. Man weiß nicht, ob Andriy Zholdak ähnlich wie Canetti dem Tod den Krieg erklärt...
Mit vier Solisten und zehn Instrumentalisten, aber ohne Chor ist Hans Thomallas in Mannheim uraufgeführte englischsprachige Oper «Dark Spring» die Corona-Oper der Stunde. Doch nicht nur ihr geringer Aufwand, auch ihr Sujet spiegelt die Bedrückung wider, die die Welt in Atem hält – den Abstand von anderen Menschen. Allerdings geht es weniger um die erzwungene äußere...
Ihre Exzellenz war sichtlich not amused. Eines Kaisers und Königs unwürdig sei das, was sie da am Abend des 6. September 1791 auf der Bühne des Prager Nationaltheaters gesehen habe, schlimmer noch, «una porcheria tedesca», eine deutsche Sauerei. Weit gefehlt, möchte man der strengen Katholikin Maria Ludovica posthum zuraunen. «La clemenza di Tito» auf ein Libretto...
