Im Freien
Bodo Ramelow war voll des Lobes: «Den Begriff Improvisation hat Rolf Hemke in den letzten Wochen neu definiert», resümierte Thüringens Ministerpräsident in seinem an den Intendanten des Kunstfestes Weimar gerichteten Grußwort am Schlusstag des sich von Ende August bis Mitte September erstreckenden Festivals. In der Tat: Hemke und sein Team trotzten den pandemiebedingten Widrigkeiten nicht nur wacker, sondern stellten ein ebenso mutiges wie umfangreiches Programm auf die Beine.
Zupass kam den Verantwortlichen der Umstand, dass bei beständigem Spätsommerwetter etliche Programmpunkte unter freiem Himmel stattfinden konnten – etwa der Musiktheater-Parcours, zu dem Dumbworld, das nordirische Künstlergespann Brian Irvine (Komponist) und John McIlduff (Regisseur), alle erkundungsfreudigen Passanten einlud. Sieben Kurzopern, keine länger als zehn Minuten, darunter zwei erst nach Einbruch der Dunkelheit zu besichtigende Video-Installationen, waren quer über die Altstadt verstreut zu erleben. Aus Lautsprechern erklangen in durchaus überzeugender Soundqualität die Einspielungen des RTÉ Concert Orchestra, während Gesangssolisten des Deutschen Nationaltheaters live ihre Kunst darboten. Camila ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Werner Kopfmüller
Die Güte Gottes? Scheint unermesslich. Zumindest in dieser Geschichte aus dem ersten Buch Mose, die mit größtmöglicher Empathie das Schicksal einer jüdischen Familie schildert. Deren Oberhaupt, der greise Tobit, gerät, weil er tote Israeliten bestattet, mit den herrschenden Assyrern in Ninive aneinander und erblindet. Auch Sara, die Tochter eines Verwandten,...
Man sieht es, das Drama. Und muss sogleich an Heinrich Heine denken, an die zweite und dritte Strophe seines tieftraurigen «Traum»-Gedichts, darin die Seele des Dichters so unverkennbar leidet an der Welt. «Ich habe im Traum geweinet, / Mir träumt’, du verließest mich. / Ich wachte auf, und ich weinte, / Noch lange bitterlich. – Ich hab’ im Traum geweinet, / Mir...
«Gleich von unbegrenztem Sehnen/ Wie entfernt von träger Ruh’/ Müsse sich mein Leben dehnen/ Wie ein Strom dem Meere zu ...» Wir wissen nicht, ob Aleksandra Kurzak dieses Gedicht von Friedrich Rückert gelesen hat; gleichwohl könnte es sehr gut als Motto über ihrem neuen Album stehen. Der Titel «Desire», den sie dem Recital gab, mag derlei Assoziationen erlauben,...
