Einfach berührend
Man sieht es, das Drama. Und muss sogleich an Heinrich Heine denken, an die zweite und dritte Strophe seines tieftraurigen «Traum»-Gedichts, darin die Seele des Dichters so unverkennbar leidet an der Welt. «Ich habe im Traum geweinet, / Mir träumt’, du verließest mich. / Ich wachte auf, und ich weinte, / Noch lange bitterlich. – Ich hab’ im Traum geweinet, / Mir träumte, du bliebest mir gut. / Ich wachte auf, und noch immer / Strömt meine Tränenflut.
»
Die Frau, die da vorn auf einer schlichten Matratze liegt, im leichenblassen Nachthemd und grauer Strickweste, die Haare wirr, der Blick verstört, sie träumt diesen Heine-Traum. Das Leben mag nicht länger mit ihr verhandeln, die Schwindsucht rafft sie dahin, alle Hoffnung, es möge die Sonne dereinst noch einmal scheinen, ist vergebens. Und so weint sie sich, singend, schmachtend, sehnend, noch einmal durch dieses dahinschwindende Leben, während hinter ihr elegant gekleidete Herren nach und nach den gesamten Hausrat durch den ehemals mondänen, nunmehr gänzlich leeren Salon hinaustragen, den Hermann Feuchter ersann; Sessel, Sofas, Kronleuchter, Schmuckkästchen, einfach alles. Sogar das Betttuch reißt man der sterbend Träumenden unter ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jürgen Otten
Krisenmanagement
Wie so viele einst ruhmreiche Musentempel durchlebt auch das Mariinsky Theater gerade eine schwierige Phase. Die Gründe dafür sind vielschichtig und schwer zu durchschauen. Ein Briefreport aus Sankt Petersburg
Verführertalent
Eigentlich war das Violoncello sein Instrument. Doch als es ernst wurde, entschied sich Andrè Schuen für ein Gesangsstudium...
Tolles Cover. Ungeschönt, ehrlich, direkt. Dazu erzählt es viel über diese ziemlich außergewöhnliche Frau. Der Blick ist klar, streng und doch verträumt, fast liebevoll. Um die geschlossenen Lippen spielt leise Ironie. Und beide Arme sind verschränkt, einerseits resolut, andererseits wie zum Schutz. Sie ließen sich öffnen. Und mit ihnen würde man einen Weg...
Im Anfang ist nicht das Wort. Sondern festliche Musik, wiewohl ironisch verfremdet. Das Orchester spielt die Introduktion zum dritten Akt von Händels «Salomo», aus der Tiefe des Raums kommt Valery Tscheplanova, auf High Heels, im hautengem Kostüm, in Händen die sternenbekränzte USA-Flagge. Einzug der Königin von Saba? Ja und Nein. Ja, weil erotische Energien...
