Pracht und Intimität
Benjamin Brittens «Gloriana» ist seine wohl am meisten unterschätzte und am seltensten aufgeführte Oper. Dabei ist dieses zugleich prachtvolle und intime, von äußerem Glanz und privatem Scheitern erzählende Stück über die alternde Königin Elizabeth I., komponiert zwischen «Billy Budd» und «The Turn of the Screw» zur Inthronisation von Elizabeth II. (1953), eines seiner zentralen Werke.
«Gloriana» ist dramaturgisch klug gebaut, effektvoll in den Massenszenen, subtil in den Duetten der Herrscherin und ihres Geliebten Roberto Devereux, der ihr wichtigster Heerführer im aufständischen Irland werden sollte (Donizettis Oper über den gleichen Stoff ist nach ihm benannt). Im Jahr der Uraufführung stand das Werk freilich quer zum Zeitgeist, schien das Schicksal einer im Alter verbitterten Herrscherin doch scheinbar nichts mit der Krönung einer blutjungen, hoffnungsvollen Königin zu tun zu haben. Heute indes, wo Elizabeth II. ein halbes Jahrhundert regiert und gerade selbst zu einer Filmfigur wurde, die im Spannungsfeld zwischen Öffentlichkeit und Privatheit lebt (in Stephen Frears «The Queen») – heute erscheint Brittens Oper ebenso zeitgemäß wie brisant.
Bereits 1984 inszenierte Colin ...
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