d’Albert: Tiefland
Rund hundert Jahre nach seiner Uraufführung taucht Eugen d’Alberts «Tiefland» wieder häufiger in den Spielplänen auf. In Zürich startete Matthias Hartmann unlängst eine Reise in virtuelle Klon-Welten (siehe OW 8/2006), in Frankfurt wanderte Anselm Weber nun in reelle Niederungen der Gegenwart.
Die schwierigen Seiten dieses Werks haben den Chef des Essener Schauspiels dabei offenbar weniger beschäftigt. Eine kritische Auseinandersetzung mit der plakativen Gegenüberstellung von freier Natur (Hochland) und drangvoller Besiedlung (Tiefland) ist in seiner Arbeit nicht zu erkennen.
Webers Versuch, die Geschichte im heutigen Gewand als Beziehungsdrama zu erzählen, geht den Problemen des Plots aus dem Wege – und auf den Leim: Die simple Zivilisationskritik der Vorlage schlägt um in undifferenzierte Kapitalismuskritik.
Für das Vorspiel hat Hermann Feuchter eine Fototapete mit Bergpanorama, für die beiden Akte eine triste Fabrikhalle auf die Bühne gestellt. Der Mühlenbesitzer Sebastiano verpflichtet hier den Hirten Pedro als Mühlenbetreiber und lässt den mehligen Firmenalltag schon mal durch ölige Bauchtänzerinnen auflockern, wozu dann eine rot leuchtende Mühle herabsinkt: Moulin rouge – ...
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Kurz vor den Proben zu Francesco Cavallis «Giasone» an der Oper Frankfurt ist die Regisseurin Anouk Nicklisch unerwartet verstorben. Im Gespann mit dem Intendanten Georges Delnon und häufig auch mit dem Bühnenbildner Roland Aeschlimann hatte Nicklisch am Stadttheater Koblenz sowie am Mainzer Staatstheater zahlreiche eigenwillige Inszenierungen erarbeitet: Mozarts...
Grüne Hügel gibt es nicht mehr. Eine Katastrophe, wahrscheinlich ein Atomunfall, hat alles in eine Sandwüste verwandelt. Zwei riesige Erdberge bestimmen die Szenerie. Das lautstarke Geschrammel und Gewimmere einer E-Gitarre zerreißt die Stille. Figuren mit bleichen Gesichtern und schwarz umränderten Augen wühlen sich aus dem Sand heraus. Und die E-Gitarre intoniert...
Der französische Regisseur Laurent Pelly zeigt in seiner Amsterdamer Produktion von Prokofjews «Die Liebe zu den drei Orangen» aus dem Jahr 2005 Personen, deren Leben durch ein Kartenspiel bestimmt wird – jenes, mit dem die Hexe Fata Morgana und der Zauberer Tschélio zu Beginn um das Schicksal des Königreichs und des Prinzen pokern. Durch diese Grundkonstellation...
