Orpheus mit E-Gitarre
Grüne Hügel gibt es nicht mehr. Eine Katastrophe, wahrscheinlich ein Atomunfall, hat alles in eine Sandwüste verwandelt. Zwei riesige Erdberge bestimmen die Szenerie. Das lautstarke Geschrammel und Gewimmere einer E-Gitarre zerreißt die Stille. Figuren mit bleichen Gesichtern und schwarz umränderten Augen wühlen sich aus dem Sand heraus. Und die E-Gitarre intoniert Claudio Monteverdis «L’Orfeo»-Toccata.
Schon der Beginn macht klar: Dies ist das zentrale Instrument in der «L’Orfeo»-Bearbeitung des Dirigenten Titus Engel und des Komponisten Tobias Schwencke für die Aufführungen in der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel.
Alle Musiker sind auf der Bühne postiert und werden zu Mitspielern: das kleine Streicherensemble mit je zwei Violinen und Violen, mit Cello und Kontrabass. Dazu gesellen sich ein ungarisches Cymbalon und ein Rhodes Piano. Engel und Schwencke versichern im Programmheft, dass sie keine Note der Monteverdi-Vorlage verändert haben, als sie mit ihrer Bearbeitung nach «heutiger Authentizität» suchten.
Schon in den Vorjahren hatten die beiden mit eigenwilligen Fassungen von Webers «Freischütz» und Mozarts «Don Giovanni» begeistert. Und auch mit ihrer «L’Orfeo»-Version ...
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