Offene Wunden
Die Aufklärung frisst ihre Kinder. Und Beethoven gibt dazu die Begleitmusik. Ein bedrückender, ja, unerträglicher Befund. Aber eben bittere Realität. Für Millionen, die in der Hoffnung auf ein würdiges (Über-)Leben vor Hunger, Gewalt, Verfolgung und Willkür aus ihrer Heimat vertrieben werden. Und unterwegs erfahren müssen, dass Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit schnell zu quantités négligeables werden, wenn die Hierarchien, auf denen sie gründen, nicht mehr greifen.
Der universelle Anspruch der amerikanischen und französischen Revolutionäre, jedem Menschen das Recht zuzugestehen, selbstbestimmt nach Glück und Wohlstand zu streben, ist bis heute unerfüllt. Auch weil das kolonialistisch überformte Gefälle zwischen Nord und Süd, zumal zwischen Europa und Afrika, die alten Machtverhältnisse im globalen Kräftespiel perpetuiert. So treiben die Flüchtlingsdramen unserer Tage nicht zuletzt die Brüchigkeit eines moralischen Idealismus hervor, der für alle ausgerufen ward, im Ernstfall sich aber doch als exklusives Privileg entpuppt.
Es ist nicht das geringste Verdienst der dokumentarischen Musik-Tanz-Theater-Performance «Baby Doll», mit klug abgemischten künstlerischen Mitteln auf diese ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 30
von Albrecht Thiemann
Das Damoklesschwert der Corona-Quarantäne schwebt über uns allen. Kein Wunder, dass Träume zu Alpträumen mutieren und Bilder der Zwangsisolation, die uns noch lange begleiten werden, die Theaterszene beherrschen. Ein Stück wie Henry Purcells in den 1680er-Jahren entstandene Kurz-Oper «Dido and Aeneas», die als klassisches Modell des männlichen Liebesverrats gilt,...
Bodo Ramelow war voll des Lobes: «Den Begriff Improvisation hat Rolf Hemke in den letzten Wochen neu definiert», resümierte Thüringens Ministerpräsident in seinem an den Intendanten des Kunstfestes Weimar gerichteten Grußwort am Schlusstag des sich von Ende August bis Mitte September erstreckenden Festivals. In der Tat: Hemke und sein Team trotzten den...
Volles Haus in Zürich. Das Opernhaus dort hat Platz für 1150 Zuschauer, 900 dürfen nun rein, die Gesichtsmasken allerdings muss man auch während der Vorstellung tragen. Nur: Das Orchester ist nicht da. Die Philharmonia Zürich nimmt im Orchesterprobenraum Platz, ebenso der Chor. Dieser ist einen Kilometer vom Opernhaus entfernt, die Live-Übertragung erfolgt über...
