Offene Wunden

Baby Doll. Eine Flucht mit Beethovens 7. Sinfonie
BERLIN | DEUTSCHE OPER

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Die Aufklärung frisst ihre Kinder. Und Beethoven gibt dazu die Begleitmusik. Ein bedrückender, ja, unerträglicher Befund. Aber eben bittere Realität. Für Millionen, die in der Hoffnung auf ein würdiges (Über-)Leben vor Hunger, Gewalt, Verfolgung und Willkür aus ihrer Heimat vertrieben werden. Und unterwegs erfahren müssen, dass Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit schnell zu quantités négligeables werden, wenn die Hierarchien, auf denen sie gründen, nicht mehr greifen.

Der universelle Anspruch der amerikanischen und französischen Revolutionäre, jedem Menschen das Recht zuzugestehen, selbstbestimmt nach Glück und Wohlstand zu streben, ist bis heute unerfüllt. Auch weil das kolonialistisch überformte Gefälle zwischen Nord und Süd, zumal zwischen Europa und Afrika, die alten Machtverhältnisse im globalen Kräftespiel perpetuiert. So treiben die Flüchtlingsdramen unserer Tage nicht zuletzt die Brüchigkeit eines moralischen Idealismus hervor, der für alle ausgerufen ward, im Ernstfall sich aber doch als exklusives Privileg entpuppt.

Es ist nicht das geringste Verdienst der dokumentarischen Musik-Tanz-Theater-Performance «Baby Doll», mit klug abgemischten künstlerischen Mitteln auf diese ...

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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 30
von Albrecht Thiemann

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